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Whitepaper v2.0 | Von den Mitgliedern der Libra Association

Begleitbrief

Hinweis: Das erste Whitepaper der Libra Association wurde im Juni 2019 veröffentlicht. Das im April 2020 veröffentlichte neue Whitepaper der Association ist eigenständiges Update zu den Plänen der Association. Weiteres technisches Begleitmaterial, das ebenfalls im Juni 2019 veröffentlicht wurde, wurde überarbeitet oder zurückgezogen. Dieses Dokument ist eine Übersetzung der englischen Originalfassung. Wir haben uns bemüht, eine möglichst genaue Übersetzung des englischen Originaltexts bereitzustellen. Aufgrund der Nuancen bei Übersetzungen in Fremdsprachen kann es zu leichten Abweichungen kommen. Falls zwischen der Übersetzung und der englischen Version oder zwischen der Übersetzung und einer anderen Fremdsprache Widersprüche auftreten, hat die englische Version Vorrang.

Die Mission der Libra Association ist es, ein einfaches, globales Zahlungssystem mit einer finanziellen Infrastruktur zu schaffen, das Milliarden von Menschen neue Chancen eröffnet. Die Projektankündigung der Association im Juni 2019 war der erste Schritt auf dem Weg zu einem offenen, innovativen Finanzsystem. Wir wollten schon früh in einen konstruktiven Dialog eintreten. Gemeinsam mit Vertretern von Regulierungsbehörden und Zentralbanken sowie mit politischen Entscheidungsträgern und unterschiedlichen anderen Stakeholdern aus der ganzen Welt wollten wir herausfinden, wie sich die Blockchain-Technologie am besten mit anerkannten regulatorischen Rahmenbedingungen verbinden ließ. Wir möchten, dass sich das Libra-Zahlungssystem nahtlos in lokale geldpolitische und makroprudenzielle Vorgaben einfügt und vorhandene Währungen ergänzt, indem es neue Funktionalitäten, eine drastische Kostenreduzierung und finanzielle Gleichberechtigung ermöglicht.

Die Association hat ihren ersten Ansatz in vielerlei Hinsicht abgewandelt. Viele der Änderungen weichen von den Konzepten anderer Blockchain-Projekte ab. Aber andere Systeme nachzubilden war nie das Ziel der Association. Vielmehr sollte das innovative Konzept einer verteilten Governance durch die Mitglieder der Association und einer verteiltem Technologie ein offenes und vertrauenswürdiges System schaffen. Mit der Mammutaufgabe, herkömmliche Finanzsysteme zu optimieren und steuerbar, interoperabel und erweiterbar zu gestalten, möchten wir anderen ermöglichen, auf unseren Bemühungen aufzubauen und Finanzanwendungen zu entwickeln, die nicht nur innovativ sind, sondern auch sicher und regelkonform – zum Wohle aller. Wir sind für den Dialog mit internationalen Politikern dankbar, die uns ihre wichtigsten Bedenken nähergebracht haben. Dadurch konnten wir konkrete Verbesserungen an der Konzeption des Libra-Zahlungssystems vornehmen und einen stufenweisen Einführungsplan erarbeiten.

Dieses aktualisierte Whitepaper umreißt die entscheidenden Modifikationen an der Konzeption des Libra- Zahlungssystems seit Juni 2019. Besonders erwähnenswert sind vier grundlegende Änderungen, die wir als Reaktion auf regulatorische Bedenken vorgenommen haben. Diese werden hier kurz aufgeführt und im aktualisierten Whitepaper genauer erläutert:

  1. Angebot von Single-Currency-Stablecoins neben der Multi-Currency-Coin.
  2. Höhere Sicherheit des Libra-Zahlungssystems durch ein solides Compliance-Framework zur Einhaltung von Bestimmungen.
  3. Verzicht auf den künftigen Wechsel zu einem genehmigungsfreien System unter Beibehaltung der wesentlichen wirtschaftlichen Eigenschaften.
  4. Integration starker Schutzmechanismen in das Konzept der Libra-Reserve.

Angebot von Single-Currency-Stablecoins neben der Multi-Currency-Coin

Unsere Vision war von Anfang an, dass das Libra-Netzwerk als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu Fiatwährungen fungieren sollte. Dennoch gehörte zu den Hauptbedenken, dass die Multi-Currency Libra Coin (≋LBR) zum Störfaktor für Währungssouveränität und Finanzpolitik führen könnte, sollte das Netzwerk eine signifikante Größe erreichen und ein großes Zahlungsvolumen in den USA in ≋LBR abgewickelt werden. Deshalb erweitern wir das Libra-Netzwerk durch Single-Currency-Stablecoins, zusätzlich zu ≋LBR. Dabei beginnen wir mit einigen der Währungen im vorgeschlagenen ≋LBR-Korb (z. B. LibraUSD oder ≋USD, LibraEUR oder ≋EUR, LibraGBP oder≋GBP, LibraSGD oder ≋SGD). So erhalten Personen und Unternehmen in Regionen mit Single Currency-Stablecoins im Libra-Netzwerk direkten Zugriff auf Stablecoins in ihrer Währung. Jede Single Currency-Stablecoin wird vollständig durch die Reserve gestützt, die aus Bankeinlagen und sehr kurzfristigen Staatsanleihen derselben Währung besteht. Wir hoffen, in Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden, Zentralbanken und Finanzinstituten weltweit die Anzahl der Single-Currency Stablecoins im Libra-Netzwerk im Laufe der Zeit erweitern zu können. ≋LBR stellt keinen gesonderten digitalen Vermögenswert neben den Single-Currency-Stablecoins dar. Im Rahmen dieser Änderung ist ≋LBR einfach ein digitaler Verbund aus einigen Single-Currency-Stablecoins des Libra-Netzwerks. Die Münze wird basierend auf festen Nominalwährungen definiert, wie den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geführten Sonderziehungsrechten (SZR). ≋LBR kann für grenzüberschreitende Zahlungen eingesetzt werden oder als neutrale Zahlungsoption mit geringer Volatilität für Personen und Unternehmen fungieren, für die es noch keine Single-Currency-Stablecoin im Netzwerk gibt. Dieser Ansatz hat den zusätzlichen Vorteil, dass das Netzwerk eine breitere Palette an Einsatzmöglichkeiten im Inland unterstützen kann. Außerdem bietet er eine unkomplizierte Methode, um digitale Währungen von Zentralbanken (Central Bank Digital Currencies, CBDC) umgehend nahtlos zu integrieren, sobald sie verfügbar sind. Weitere Informationen findest du hier.

Höhere Sicherheit des Libra-Zahlungssystems durch ein solides Compliance-Framework

Wir möchten ein System entwickeln, das die Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen garantiert und gleichzeitig offen zugänglich ist und finanzielle Gleichberechtigung fördert. Integrierte Sicherheitsmechanismen sorgen dafür, dass Menschen und Unternehmen auf die Sicherheit und Integrität des Libra-Zahlungssystems vertrauen können. Die Association hat das Feedback von Regulierungsbehörden umgesetzt und arbeitet weiter daran, ein umfassendes Rahmenwerk für finanzielle Compliance, ein netzwerkweites Risikomanagement sowie solide Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche (Anti-Money Laundering, AML) und Terrorismusfinanzierung (Combating the Financing of Terrorism, CFT), zur Einhaltung von Sanktionen und zur Verhinderung rechtswidriger Handlungen zu entwickeln. Auch eine Financial Intelligence-Abteilung (Financial Intelligence Function, FIU-Funktion), wird eingerichtet, die betriebliche Standards für die Netzwerk-Teilnehmer umsetzen wird. Die Teilnehmer des Libra-Netzwerks fallen in vier Kategorien: (i) Vertragshändler (Designated Dealers); (ii) Virtual Asset Service Providers (VASPs), einschließlich Börsen und Custodial Wallets, die in Mitgliedstaaten der Financial Action Task Force (FATF) als VASPs registriert oder lizenziert sind oder die in einem FATF-Mitgliedstaat registriert oder lizenziert sind und gemäß dieser Registrierung oder Lizenz VASP-Aktivitäten ausführen dürfen (Regulated VASPs); (iii) VASPs, die eine von der Association genehmigte Zertifizierung erlangt haben (Certified VASPs); und (iv) alle sonstigen Personen und Unternehmen, die über das Libra-Netzwerk Handlungen durchführen oder Dienstleistungen anbieten möchten (Unhosted Wallets). Unhosted Wallets ermöglichen finanzielle Gleichberechtigung, einen breiten Wettbewerb und verantwortungsbewusste Innovation. So können für Menschen, die bislang keine oder nur wenige Bankdienstleistungen erhalten, Dienste geschaffen werden. Da die Aktivitäten dieser Wallets mehr Risiken bergen, unterliegen sie Bilanz- und Transaktionslimits. Anfangs ist das Netzwerk nur für Designated Dealer und Regulated VASPs zugänglich. Die Association arbeitet dem Feedback der Regulierungsbehörden entsprechend weiter an der Entwicklung eines Zertifizierungsprozesses für andere VASPs und des Compliance Frameworks für Unhosted Wallets. Sobald alle relevanten Compliance-Frameworks fertiggestellt sind, nimmt die Association auch Certified VASPs and Unhosted Wallets in das Netzwerk auf. Weitere Informationen findest du hier.

Verzicht auf den künftigen Wechsel zu einem genehmigungsfreien System unter Beibehaltung der wesentlichen wirtschaftlichen Eigenschaften

Zu den Anliegen der Regulierungsbehörden gehörte der Umfang von Kontrollmechanismen, denen das Libra- Netzwerk unterzogen werden kann. Es sollte insbesondere davor geschützt werden, dass unbekannte Teilnehmer die Steuerung des Systems übernehmen und wichtige Compliance-Regeln außer Kraft setzen können. Wir sind davon überzeugt, dass es möglich ist, die wesentlichen wirtschaftlichen Eigenschaften eines genehmigungsfreien Systems über einen offenen, transparenten und wettbewerbsorientierten Markt für Netzwerkdienste und Governance zu übernehmen und gleichzeitig die Mitglieder und Validators der strengen Sorgfaltspflicht eines genehmigungspflichtigen Systems zu unterziehen. Weitere Informationen findest du hier.

Integration starker Schutzmechanismen in das Konzept der Libra-Reserve

Wie in extremen Situationen zu verfahren ist, wurde in konstruktiven Gesprächen mit Regulierungsbehörden geklärt. Insbesondere ging es darum, wie die Reserve in einer angespannten Lage funktioniert und welche Ansprüche und Schutzmechanismen den Libra Coin-Nutzern zur Verfügung stehen. Wir haben in Konzept und Struktur der Reserve Strategien integriert, die auch in anderen Systemen üblich sind. Die Reserve hält Vermögenswerte mit sehr kurzer Laufzeit, niedrigem Kreditrisiko und hoher Liquidität und sie verfügt über einen Kapitalpuffer. Weitere Informationen findest du hier.

In diesem aktualisierten Whitepaper werden Mission und Mechanismen des Libra-Zahlungssystems erläutert und die wichtigsten Bereiche genauer ausgeleuchtet. Wir hoffen auch, dass dieses Dokument den Weg für mehr Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Institutionen ebnen wird, die das gemeinsame Ziel haben, globale Zahlungen effizienter zu gestalten und die finanzielle Gleichberechtigung zu fördern.

Abschnitt 01

Einführung

Dank des Internets und mobiler Breitbandverbindungen erhalten heute Milliarden von Menschen weltweit Zugriff auf das Wissen und die Informationen der ganzen Welt, auf hochwertige Kommunikationsmöglichkeiten und viele andere preisgünstige Dienstleistungen, die den Alltag vereinfachen. Diese Dienstleistungen sind heutzutage von fast jedem Ort der Welt aus schon mit einem Smartphone im Wert von etwa 35 Euro zugänglich.1

Dennoch profitieren große Teile der Weltbevölkerung nicht von dieser Konnektivität: 1,7 Mrd. Erwachsene weltweit sind nach wie vor vom Finanzsystem ausgeschlossen, haben also keinen Zugang zu einer herkömmlichen Bank, obwohl zwei Drittel von ihnen ein Mobiltelefon mit Internetzugang besitzen.2 Für zu viele Menschen sehen Teile des Finanzsystems wie Telekommunikationsnetze vor der Einführung des Internets aus. Vor 20 Jahren kostete es durchschnittlich 16 Cent, in Europa eine SMS zu verschicken.3 Zwar waren die Preise hoch, aber zumindest für alle gleich. Heute zahlen Menschen mit schmalerem Portemonnaie mehr für Finanzdienstleistungen. Das hart verdiente Einkommen wird durch Gebühren aufgefressen, von Überweisungskosten bis hin zu Überziehungs- und Geldautomatengebühren.

Blockchains haben eine Reihe einzigartiger Eigenschaften mit dem Potenzial, einige Probleme der Zugänglichkeit und Vertrauenswürdigkeit zu bewältigen. Hierzu zählen: Verteilte Governance, die sicherstellt, dass keine einzelne Instanz das Netzwerk kontrolliert; freier Zugang, der jedem mit Internetverbindung die Teilnahme ermöglicht; und Sicherheit mittels Kryptographie, wodurch die Integrität der Geldmittel geschützt wird. Doch bereits bestehende Blockchain-Systeme wurden bisher noch nicht von der breiten Masse angenommen. Ihre Volatilität und mangelnde Skalierbarkeit stehen der massenhaften Nutzung bestehender Blockchain-Währungen entgegen. Deshalb eignen sie sich bisher nur schlecht als Zahlungsmittel.

Wir halten es jedoch für möglich, die Vorteile der innovativen Blockchain-Technologie, wie verteilte Governance, freien Zugang und Sicherheit, mit einem soliden Compliance- und Regulierungsrahmen zu kombinieren. Bestimmte Compliance-Anforderungen auf Ebene des Libra-Protokolls einzubauen kann die Wirksamkeit diverser Programme erhöhen, etwa der Bekämpfung von rechtswidrigen Handlungen oder von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie der Einhaltung von Sanktionen. Entwickler, Händler und Verbraucher profitieren von den Compliance-und Sicherheitsmechanismen des Libra-Netzwerks. Technologische Innovationen in Zusammenarbeit mit dem Finanzsektor, einschließlich Aufsichtsbehörden und Fachleuten der unterschiedlichsten Branchen, sind die einzige Möglichkeit, dieses neue System mit einem nachhaltigen, sicheren und vertrauenswürdigen Rahmenwerk zu untermauern. Mit diesem Ansatz lässt sich ein gewaltiger Fortschritt in Richtung eines kostengünstigeren, zugänglicheren und stärker vernetzten globalen Finanzsystems realisieren.

Die Chance

Zu Beginn dieser gemeinsamen Reise möchten wir für die Community und das Netzwerk, das wir durch diese Initiative schaffen möchten, unsere Überzeugungen darlegen.

  • Wir glauben, dass viel mehr Menschen Zugriff auf Finanzdienstleistungen haben sollten.
  • Wir sind davon überzeugt, dass Menschen das Recht haben, das Erwirtschaftete ihrer legalen Arbeit selbst zu kontrollieren.
  • Wir sind davon überzeugt, dass globale, offene, unmittelbare und kostengünstige Zahlungsnetzwerke zu gewaltigen wirtschaftlichen Chancen und zu mehr Handel auf der ganzen Welt führen werden.
  • Wir sind davon überzeugt, dass Menschen in zunehmendem Maße dezentralen Governance-Formen vertrauen werden.
  • Wir sind davon überzeugt, dass ein offenes und weitgehend interoperables Zahlungsnetzwerk unter Einhaltung hoher Compliance-Standards entwickelt und betrieben werden sollte.
  • Wir sind davon überzeugt, dass wir alle dafür verantwortlich sind, finanzielle Gleichberechtigung voranzutreiben, ethisch korrekte Marktteilnehmer zu unterstützen und die Integrität des Zahlungssystems zu wahren.

Abschnitt 02

Das Libra-Zahlungssystem

Die Welt braucht ein zuverlässiges und interoperables Zahlungssystem, mit dem sich das Versprechen eines „Internet des Geldes“ verwirklichen lässt. Es sollte möglich sein, Vermögenswerte ganz einfach und intuitiv mit einem Mobilgerät zu sichern. Weltweit Geld rechtskonform zu verschicken, sollte so einfach und kostengünstig und sogar noch sicherer als das Senden einer Nachricht oder eines Fotos sein – unabhängig vom Wohnort, Beruf oder Einkommen. Neue Produktinnovationen und zusätzliche Marktteilnehmer senken die Zugangsbarrieren und ermöglichen mehr Menschen reibungslose Zahlungen.

Die Zeit ist reif, eine neuartige digitale Infrastruktur zu schaffen, die auf Blockchain-Technologie basiert. Libras Mission ist es, ein einfaches, globales Zahlungssystem und eine finanzielle Infrastruktur für Milliarden von Menschen bereitzustellen. Das Libra-Projekt besteht aus drei Teilen, die gemeinsam ein inklusiveres Finanzsystem schaffen:

  • Einer sicheren, skalierbaren und zuverlässigen Blockchain als technologischem Rückgrat des Zahlungssystems;
  • Libra Coins, die durch die Libra-Reserve aus Bankeinlagen und sehr kurzfristigen Staatsanleihen abgesichert sind; und
  • Governance durch die unabhängige Libra Association und ihr Tochterunternehmen Libra Networks, das die Entwicklung und den Betrieb des Zahlungssystems übernommen hat.

Das Libra-Zahlungssystem basiert auf der Libra Blockchain. Da es eine globale Zielgruppe ansprechen soll, beruht die Blockchain auf Open Source-Software. So kann jeder darauf aufbauen, und Milliarden Menschen können sie für ihre Finanzgeschäfte nutzen. Man stelle sich ein offenes, interoperables Zahlungssystem vor, mit dem Entwickler und Organisationen Menschen und Unternehmen dabei helfen, Libra Coins zu besitzen und in ihrem Alltag damit zu bezahlen. Dank der Verbreitung von Smartphones und mobilen Daten sind immer mehr Menschen online und in der Lage, auf das Libra-Zahlungssystem zuzugreifen. Damit diese Vision mit dem Libra-Netzwerk im Laufe der Zeit wahr werden kann, wurde bei der Entwicklung der Libra Blockchain von Anfang an auf Skalierbarkeit, Sicherheit, Effizienz bei der Speicherung und Datenrate sowie künftige Anpassbarkeit gesetzt. Im Folgenden liefern wir einen Überblick über das Libra-Zahlungssystem. Weitere Informationen zur Libra Blockchain findest du hier.

Das Libra-Zahlungssystem unterstützt Single-Currency-Stablecoins (z. B. ≋USD, ≋EUR, ≋GBP, usw.) und eine Multi-Currency-Coin (≋LBR). Libra Coins ist der Sammelbegriff für beide Münzen. Libra Coins müssen vielerorts akzeptiert werden und für Menschen, die sie nutzen möchten, leicht zugänglich sein. Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sie Libra Coins nutzen können und dass ihr Wert relativ stabil bleibt. Deshalb wird jede Single-Currency-Stablecoin vollständig durch die Reserve gestützt, die aus Bankeinlagen und sehr kurzfristigen Staatsanleihen der entsprechenden Währung besteht. Jede ≋LBR, die sich aus 1:1-gestützten Single-Currency-Stablecoins zusammensetzt und vom Libra-Netzwerk gestützt wird, erhält automatisch die Absicherung und Stabilität dieser Stablecoins. Die Libra-Reserve dient dazu, den Wert der Libra Coins langfristig stabil zu halten. Im Folgenden liefern wir einen Überblick über die Libra Association. Weitere Informationen zur Reserve findest du hier.

Die Association ist eine unabhängige Mitgliederorganisation mit Hauptsitz in Genf, Schweiz. Die Association hat eine Reihe an Kernaufgaben: Sie legt die Rahmenbedingungen für die Entscheidungsfindung bei der Leitung des Libra-Netzwerks und der Reserve fest; sie überwacht den Betrieb und die Weiterentwicklung des Libra-Zahlungssystems; sie unterstützt die sichere und richtlinienkonforme Bereitstellung der auf der Libra Blockchain aufbauenden Dienstleistungen und sie vergibt Fördergelder an Projekte, die sich für mehr finanzielle Gleichberechtigung einsetzen. Dieses Whitepaper beschreibt die Mission, die Vision und die Reichweite der Association.

Zu den Mitgliedern der Association zählen verschiedene Unternehmen und gemeinnützige Organisationen aus unterschiedlichen Regionen.

Facebook-Teams hatten beim Aufbau der Association und der Libra Blockchain zwar eine zentrale Rolle übernommen, sie besitzen jedoch innerhalb der Association keine speziellen Rechte. Am 14. Oktober 2019 unterzeichneten die Gründungsmitglieder der Association die Association-Satzung. Damit wurde formell das Association Council ins Leben gerufen, das aus jeweils einem Vertreter jeder Mitgliedsorganisation besteht. Dadurch ist sichergestellt, dass alle Mitglieder die gleichen Rechte und Pflichten innehaben. Zudem wählte das Council einen Vorstand aus fünf Mitgliedern, der das Tagesgeschäft und die Vertretung der Association übernimmt. Weitere Informationen zur Organisation und Governance der Association findest du hier.

Abschnitt 03

Die Libra Blockchain

Die Libra Blockchain soll als Grundlage für Finanzdienstleistungen dienen. Dazu zählt ein neues globales Zahlungssystem, mit dem Milliarden Menschen ihre täglichen Finanzgeschäfte tätigen können. Nach der Prüfung bestehender Optionen haben wir uns entschieden, eine neue Blockchain zu entwickeln, die die folgenden drei Anforderungen erfüllt:

  • Skalierbarkeit auf Milliarden Konten, wofür eine hohe Datenrate, geringe Latenz und ein effizientes Speichersystem mit hoher Kapazität erforderlich sind.
  • Hohe Sicherheit, um den Schutz von Geldmitteln und Finanzdaten zu gewährleisten.
  • Flexibilität, um künftige Innovationen im Bereich der Finanzdienstleistungen zu ermöglichen.

Die Libra Blockchain wurde von Beginn an so konzipiert, dass sie diese Anforderungen ganzheitlich erfüllt und die Erfahrungen aus bestehenden Projekten sowie Forschungserkenntnisse berücksichtigt. Innovative Ansätze werden mit bewährten Techniken kombiniert. Im nächsten Abschnitt werden drei Entscheidungen zur Libra Blockchain näher erläutert:

  1. Design und Einsatz der Programmiersprache Move.
  2. Konsensbasierter Ansatz mit byzantinischer Fehlertoleranz (BFT).
  3. Nutzung und Optimierung weitverbreiteter Datenstrukturen für Blockchains.

Gestaltung und Nutzung der Programmiersprache Move

Move ist eine neue Programmiersprache für die Implementierung individueller Transaktionslogik und sogenannter „Smart Contracts“ in der Libra Blockchain. Da die Libra Association eines Tages von Milliarden Menschen genutzt werden soll, steht Sicherheit bei der Gestaltung von Move an erster Stelle. Beim Design von Move wurden Erkenntnisse aus vergangenen Sicherheitsvorfällen mit Smart Contracts herangezogen. Eine der Haupteigenschaften dieser neuen Sprache ist es, dass sie es einfacher macht, zweckgerichteten Code zu schreiben. So verringert sie das Risiko versehentlicher Bugs und Sicherheitsvorfälle. Insbesondere ist Move so ausgelegt, dass keine Assets geklont werden können. Move ermöglicht „Ressourcentypen“, die digitale Assets auf dieselben Eigenschaften wie physische Assets beschränken: Eine Ressource hat nur einen einzigen Besitzer, sie kann nur einmal verwendet werden, die Erstellung neuer Ressourcen ist eingeschränkt.

Move erleichtert außerdem automatische Nachweise darüber, dass Transaktionen bestimmte Merkmale erfüllen – beispielsweise die Anforderung, dass sich bei einer Zahlung nur der Kontostand des Zahlers und des Empfängers ändert. Durch Priorisierung dieser Funktionen trägt Move zur Sicherheit der Libra Blockchain bei. Mit Move lassen sich die wesentlichen Elemente des Libra-Netzwerks einfach und sicher definieren – zum Beispiel Zahlungsverkehr und Management der Validator Nodes. Zusätzlich bietet Move eine gute Möglichkeit, um Compliance-Mechanismen in das Libra-Netzwerk zu integrieren. Dazu zählen beispielsweise Mechanismen zur Einhaltung der Travel Rule oder zur Sanktionsüberwachung auf Protokollebene.

Die Association hat sich dazu verpflichtet, angemessene Überprüfungs- und Risikokontrollen für Smart Contracts einzuführen. Zunächst können nur von der Association genehmigte und veröffentlichte Smart Contracts direkt mit dem Libra-Zahlungssystem interagieren. Mit der Zeit wird die Association Kontrollmechanismen einführen, um auch Drittanbietern die Veröffentlichung von Smart Contracts zu ermöglichen.

Konsensbasierter Ansatz mit byzantinischer Fehlertoleranz (BFT)

Um unter allen Validator Nodes einen Konsens über das Transaction Ledger herzustellen, verwendet die Libra Blockchain den BFT-Ansatz mit dem LibraBFT (Libra Byzantine Fault Tolerance)-Konsensprotokoll. Dieser BFT- Ansatz erfüllt drei wichtige Ziele: Erstens wird Vertrauen in das Netzwerk geschaffen. BFT Konsensprotokolle sind so angelegt, dass sie korrekt funktionieren, selbst wenn einige Validator Nodes (bis hin zu einem Drittel des Netzwerks) kompromittiert sind oder ausfallen. Zweitens ermöglicht diese Klasse der Konsensprotokolle einen hohen Transaktionsdurchsatz, eine geringe Latenz und einen energieeffizienteren Ansatz beim Konsens als der sogenannte Proof of Work, der in einigen anderen Blockchains verwendet wird. Drittens lässt das LibraBFT-Protokoll eine klare Aussage hinsichtlich der Transaktionsfinalität zu. Wenn also ein Teilnehmer eine Transaktionsbestätigung von einer bestimmten Anzahl an Validators erhält, kann er sicher sein, dass die Transaktion abgeschlossen ist.

Die Sicherheit von BFT hängt von der Qualität der Validators ab. Deshalb wählt die Association potenzielle Validators mit größter Sorgfalt aus. Bei der Entwicklung des Libra-Netzwerks hatte die Sicherheit oberste Priorität. Dabei wurde insbesondere an ausgeklügelte Cyberattacken und kritische Angriffe auf die Infrastruktur gedacht. Das Netzwerk ist so strukturiert, dass es die solide Ausführung der durch die Validators betriebenen Software stärkt. Dazu nutzt es verschiedene Verfahren: die Abspaltung von kritischem Code („Trusted Computing Base“), innovative Verfahren zum Testen des Konsensusalgorithmus sowie ein sorgfältiges Management der Abhängigkeiten. Darüber hinaus definiert das Libra-Netzwerk Richtlinien und Verfahren zur Rekonfiguration der Libra Blockchain, falls schwerwiegende Fehler auftreten oder Upgrades erforderlich werden. Abgesehen davon, dass in solchen Fällen eine sichere Systemwiederherstellung gewährleistet ist, lassen sich so Angreifer abschrecken: diese wissen, dass Maßnahmen gegen ihre Handlungen ergriffen werden können.

Nutzung und Optimierung weit verbreiteter Datenstrukturen für Blockchains

Zur sicheren Speicherung von Transaktionen werden Daten in der Libra Blockchain durch Hash-Bäume geschützt. Dies sind Datenstrukturen, die auch andere Blockchains nutzen, um Änderungen an bestehenden Daten erkennen zu können. Anders als frühere Blockchain-Projekte, die als Sammlung von Transaktionsblöcken angelegt sind, ist die Libra Blockchain eine einzelne Datenstruktur, die den Verlauf der Transaktionen und Zustände im Laufe der Zeit aufzeichnet. Durch diese Implementierung können Apps einfacher auf die Blockchain zugreifen. Dies schafft einen einheitlicher Rahmen, in dem Daten jederzeit zur Überprüfung ihrer Integrität gelesen werden können.

Ein Ergebnis der oben ausgeführten Konzeptionsentscheidungen besteht darin, dass die Libra Blockchain öffentlich überprüfbar ist. Das heißt, dass jeder (Validators, Libra Networks, Virtual Asset Service Providers (VASPs), Behörden oder Dritte) die Richtigkeit sämtlicher Vorgänge überprüfen kann. Transaktionen werden kryptografisch signiert. Deshalb können selbst bei einer Kompromittierung aller Validators keine gefälschten Transaktionen von Adressen mit sicheren Signaturschlüsseln als ausgeführt akzeptiert werden. Das Konzept eignet sich für ein hardwaregestütztes Schlüsselmanagement und die Offlinespeicherung wertvoller kryptografischer Schlüssel.

Ein weiteres Ergebnis der obigen Konzeptionsentscheidungen ist, dass die Libra Blockchain einen Datenschutzansatz unterstützt, der die Vielfalt der Netzwerk-Teilnehmer berücksichtigt. Die Association beaufsichtigt die Weiterentwicklung des Libra Blockchain-Protokolls und -Netzwerks. Zudem untersucht sie fortlaufend neue Verfahren zur Verbesserung des Datenschutzes in der Blockchain und berücksichtigt dabei regulatorische Anforderungen.

Weitere Informationen findest du in der technischen Dokumentation zur Libra Blockchain. Ausführliche Informationen erhältst du auch zur Programmiersprache Move und dem LibraBFT-Konsensprotokoll. Die Association hat eine frühe Vorschau des Libra Testnet mit begleitender Dokumentation als Open Source zur Verfügung gestellt. Das Testnet befindet sich jedoch noch in der Entwicklungsphase und die APIs können sich noch ändern. Seit Juni 2019 wird der Fortschritt in regelmäßigen Blogbeiträgen und Roadmap-Updates von der Association veröffentlicht. Die Association möchte offen mit der Community zusammenarbeiten. Wir hoffen, du bleibst auch weiterhin am Ball und teilst uns dein Feedback mit.

Abschnitt 04

Wirtschaft und die Libra-Reserve

Als die Libra Association ihre Ideen zur Libra-Reserve veröffentlichte, war das Dokument eher als Machbarkeitsstudie gedacht und weniger als fertige Roadmap für das Projekt. Seit Juni 2019 haben wir viele Vertreter verschiedener Organisationen, Regulierungsbehörden, Politiker und Akademiker getroffen, die uns ihre wichtigsten Bedenken erläutert haben. Dadurch konnten wir konkrete Verbesserungen an der wirtschaftlichen Konzeption des Libra- Netzwerks vornehmen. Die weltweiten Gespräche und Meetings waren von unschätzbarem Wert für die Ausrichtung unseres Projekts. Die Association ist besonders für die gründlichen und durchdachten Untersuchungen der G7- Arbeitsgruppe dankbar, die sie zu Stablecoins durchgeführt hat. Die im Bericht ausgeführten Bedenken zeigten, welche Fragen es unmittelbar zu lösen galt und welche Probleme sich langfristig ergeben könnten.

Zu den Hauptbedenken gehörte, dass die Libra Coin (≋LBR) zum Störfaktor für Währungssouveränität und Finanzpolitik werden könnte, sollte das Netzwerk in einem Land eine signifikante Größe erreichen (z. B., dass ≋LBR die Inlandswährung ersetzen könnte). Wir halten das für eher unwahrscheinlich, denn auch ≋LBR birgt ein Fremdwährungsrisiko bei Inlandstransaktionen und die Verwendung der ≋LBR kann Beschränkungen wie Devisenkontrollen unterliegen. Dennoch nehmen wir diese Bedenken ernst.

Das Libra-Netzwerk ist als weltweit zugängliches, kostengünstiges Zahlungssystem konzipiert – als Ergänzung, nicht als Ersatz der Inlandswährung. Die Stabilisierung von Währungen und Werterhalt sind die Kernaspekte, die ausschließlich der öffentlichen Hand vorbehalten bleiben sollten. Wir erweitern deshalb das Libra-Netzwerk mit Single-Currency-Stablecoins (z. B. ≋USD, ≋EUR, ≋GBP, usw.), deren Anzahl wir mit der Zeit ausdehnen möchten. Dadurch entstehen eine Reihe inländischer Anwendungsmöglichkeiten, da Personen und Unternehmen Transaktionen in einer Stablecoin ihrer eigenen Währung durchführen können. Jede Single Currency-Stablecoin wird durch eine Reserve aus Bankeinlagen und sehr kurzfristigen Staatsanleihen derselben Währung gestützt und wird auch im entsprechenden Land ausgegeben. Single-Currency-Stablecoins werden abhängig von der Marktnachfrage erstellt oder vernichtet. Da jede Coin 1:1 abgesichert ist, entsteht effektiv kein neues Geld.

Wir glauben, dass dieser Ansatz Kosten senken und neue Funktionalität schaffen kann. Gleichzeitig können Zentralbanken äußerst flexibel steuern, wie das Libra-Zahlungssystem in ihrem jeweiligen Land eingesetzt wird.

Für den Anfang beabsichtigt die Association, eine geringe Zahl von Single-Currency-Stablecoins anzubieten, je nachdem in welchem Umfang hochliquide und sichere Staatsanleihen in den jeweiligen Währungen zur Verfügung stehen. Wir hoffen, in Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden, Zentralbanken und Finanzinstituten weltweit die Anzahl der Single-Currency-Stablecoins im Libra-Netzwerk mit der Zeit erweitern zu können. Wir möchten auch die technischen, betrieblichen und gesetzlichen Anforderungen für eine direkte Depotverwaltung durch diese Stellen ausloten. Insbesondere möchte die Association mit der entsprechenden Zentralbank und den Regulierungsbehörden zusammenarbeiten, falls die Libra-Einführung in einer Region, für die keine Single-Currency-Stablecoin im Netzwerk verfügbar ist, Bedenken hervorruft, dass die Währung ersetzt werden könnte. Die Association begrüßt jede Anregung dazu, wie sie lokale geldpolitische und makroprudenzielle Vorgaben unterstützen kann.

Wir glauben, dass ≋LBR für Länder, für die keine Single-Currency-Stablecoin im Netzwerk verfügbar ist, eine neutrale Alternative mit geringer Volatilität darstellt. Die Nutzer in diesen Regionen könnten vom Netzwerk und einer höheren finanziellen Gleichberechtigung profitieren. In diesem Kontext lässt sich ≋LBR im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr nutzen. Personen und Unternehmen könnten die ≋LBR, die sie erhalten, in ihre lokale Währung umtauschen und damit über dritte Finanzdienstleister Waren und Dienstleistungen erwerben. Angenommen ein Libra-Nutzer in den USA möchte Geld an seine Familie in einem anderen Land senden. Der Sender in den USA möchte ≋USD als Standard-Libra Coin für die Überweisung nutzen. Wenn der Empfänger in einer Region mit einer anderen Single-Currency-Stablecoin lebt, könnte der Sender diese Single-Currency-Stablecoin überweisen oder der Empfänger könnte ≋USD über einen dritten Finanzdienstleister in die gewünschte Stablecoin oder die lokale Währung umtauschen. So kann der Empfänger bequem und einfach auf die Geldmittel zugreifen. Falls keine Single- Currency-Stablecoin verfügbar ist, könnte die Überweisung in ≋LBR erfolgen. Der Empfänger könnte ≋LBR über einen dritten Finanzdienstleister in die lokale Währung umtauschen und Waren oder Dienstleistungen in dieser Währung erwerben. Das Libra Netzwerk selbst würde keinen Umtausch zwischen Libra Coins und Fiatwährung oder anderen digitalen Assets anbieten, aufzeichnen oder abwickeln. Wie erwähnt würde jede Umtauschfunktion von dritten Finanzdienstleistern durchgeführt werden. Wir erwarten unabhängig von der Region, dass alle Virtual Asset Service Providers (VASPs), wie Devisenbörsen mit Adressen in der Libra Blockchain, Libra Coins bereitstellen und umtauschen. Die vollständige Einhaltung aller geltenden Beschränkungen für Devisengeschäfte und Kapitalverkehrskontrollen soll gewährleistet sein, um das Risiko eines Währungsersatzes zu minimieren.

Darüber hinaus hoffen wir, dass digitale Währungen von Zentralbanken (Central Bank Digital Currencies, (CBDC) direkt in das Libra-Netzwerk integriert werden, sobald sie von einer Zentralbank entwickelt wurden. Libra Networks muss dann die zugehörigen Reserven nicht verwalten, wodurch sich das Kredit- und Depotrisiko reduziert. Wenn also eine Zentralbank beispielsweise ein digitales Äquivalent für den US Dollar, Euro oder das Britische Pfund entwickelt, könnte die Association die entsprechende Single Currency-Stablecoin durch die CBDC ersetzen.

Single-Currency-Stablecoins vereinfachen das Konzept von ≋LBR. ≋LBR kann als Smart Contract eingeführt werden, der Single-Currency-Stablecoins in festen Nominalwerten zusammenfasst (z. B. ≋USD 0,50, ≋EUR 0,18, ≋GBP 0,11 usw.). Dieser Ansatz des ≋LBR-Konzepts ähnelt dem des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei Sonderziehungsrechten (SZR). ≋LBR setzt sich aus festen Beträgen von Single-Currency-Stablecoins zusammen, die vom Netzwerk unterstützt werden. Deshalb wird ≋LBR vollständig durch die Wertanlagen der Reserve gestützt, die der Absicherung der einzelnen Single-Currency-Stablecoins dienen.

Die Association möchte Bedenken zerstreuen, sie könnte den Nominalwert der ≋LBR eigenmächtig ändern. Deshalb würde es die Association begrüßen, wenn eine Gruppe von Regulierungsbehörden und Zentralbanken oder eine internationale Organisation (z. B. der IWF) unter Leitung der Hauptaufsichtsbehörde der Association, der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA), die Zusammensetzung des Währungskorbs (sowohl der Währungen als auch der jeweiligen Nominalwerte) überwacht und kontrolliert.

Single-Currency-Stablecoins können jedoch die Abwicklung für Wallets, Devisenbörsen und Anbieter von Bezahllösungen komplexer gestalten. Devisenbörsen müssen zum Beispiel über ausreichende Liquidität für mehrere digitale Vermögenswerte gleichzeitig verfügen, nicht nur für einen einzelnen. Wallets müssen Anwendungsfälle wie Geldüberweisungen mit verschiedenen Währungen abwickeln. Allerdings erwarten wir, dass die Nutzer standardmäßig die Single-Currency-Stablecoin in ihrer Landeswährung (sofern verfügbar), eine andere Single-Currency-Stablecoin (z. B.≋USD oder ≋EUR) oder ≋LBR verwenden werden.

Das Libra-Netzwerk soll einen globalen, grenzübergreifenden Austausch ermöglichen und die Funktionen von Fiatwährungen erweitern, die sinnvollerweise der Verwaltung und Kontrolle von Zentralbanken unterliegen. Diesem neuen Ansatz entsprechend möchten wir Bedenken hinsichtlich der Währungssouveränität zerstreuen und dazu beitragen, weltweit leichter zugängliche Zahlungs- und Finanzprodukte für Personen und Unternehmen einzuführen.

Die Libra-Reserve und Schutzfunktionen

Vertrauen in eine effiziente Zahlungsmethode aufzubauen ist ein wichtiges Ziel der wirtschaftlichen Konzeption des Libra-Netzwerks. Jede Stablecoin im Libra-Netzwerk ist vollständig durch eine Reserve hochwertiger liquider Mittel abgesichert und wird von einem wettbewerbsorientierten Netzwerk an Händlern und Börsen gestützt, die die einzelnen Coins kaufen und verkaufen. Besitzer von Libra Coins sollen nahezu sichergehen können, dass sie ihre Libra Coins in die Landeswährung umtauschen können.

Die Bedeutung einer vollständigen Absicherung und Risikominimierung

Da eine vollständige Absicherung für Personen und Unternehmen, die das Netzwerk nutzen, wichtig ist, wurde sie bereits im ersten Libra-Whitepaper von der Association hervorgehoben. In September 2019 erklärte die Association, eine Lizenz für das Zahlungssystem bei der FINMA zu beantragen, die voraussichtlich eine fortgesetzte vollständige Absicherung jeder einzelnen Libra Coin als Lizenzbedingung nennt.

Vollständige Absicherung heißt, die Reserve entspricht in ihrem Wert – in Bankeinlagen und sehr kurzfristigen Staatsanleihen – mindestens dem Nominalwert aller Libra Coins im Umlauf. Bei Banken hingegen beläuft sich die Reserve an Bargeld oder anderen liquiden Mitteln lediglich auf einen Bruchteil (z. B. 10 Prozent) zur Absicherung der Einlagenverbindlichkeiten. Die übrigen Vermögenswerte bestehen aus Krediten oder anderen illiquiden Mitteln (auch Mindestreserven genannt). Eine vollständige Absicherung durch liquide Mittel ist wichtig, um Fluktuationen zu vermeiden und das Zahlungssystem zu stabilisieren. In Kombination mit unserer Verpflichtung zu Transparenz und Prüfbarkeit trägt die vollständige Absicherung aller Libra Coins sicher dazu bei, dass Personen und Unternehmen auf die Umtauschbarkeit der Libra Coins in die Landeswährung vertrauen können.

Die Reserve erstellt oder vernichtet Single-Currency-Stablecoins (z. B. ≋USD, ≋EUR, ≋GBP, usw.) abhängig von der Marktnachfrage. Außerdem verbindet ein Smart Contract diese speziellen Single-Currency-Stablecoins basierend auf speziellen festen Nominalwerten zu ≋LBR. ≋LBR ist nicht an eine einzelne Währung gebunden. Deshalb kann sich bei Wertschwankungen einzelner Währungen der Wert einer ≋LBR in einer Landeswährung ändern. Die Association würde es begrüßen, wenn eine Gruppe von Regulierungsbehörden und Zentralbanken oder eine internationale Organisation (z. B. der IWF) unter Leitung der Hauptaufsichtsbehörde der Association, der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA), zur Kontrolle des ≋LBR die Zusammensetzung des Währungskorbs (sowohl der Währungen als auch der jeweiligen Nominalwerte) überwacht und kontrolliert.

Die Struktur der Reserve ist bewusst darauf ausgelegt, Gefahren und Risiken zu minimieren. Die Reserve besteht aus hochwertigen liquiden Mitteln oder Vermögenswerten, die schnell veräußert werden können, damit das Libra-Netzwerk solvent und das Libra-Zahlungssystem funktionsfähig bleibt. Deshalb muss die Reserve aus mindestens 80 Prozent sehr kurzfristiger Staatsanleihen (bis zu drei Monaten Restlaufzeit) bestehen, ausgestellt von Staaten mit äußerst niedrigem Kreditrisiko (z. B. mindestens einem Rating von A+ durch S&P und A1 durch Moody‘s), deren Wertpapiere auf hochliquiden Sekundärmärkten gehandelt werden. Die übrigen 20 Prozent bestehen aus Bargeld, mit Cash-Sweeps über Nacht in Geldmarktfonds, die in kurzfristige Staatsanleihen (bis zu einem Jahr Restlaufzeit) mit gleichen Risiko- und Liquiditätsprofilen investieren. Die Währungszusammensetzung der Vermögenswerte in der Reserve stimmt mit der Zusammensetzung der ausstehenden Single-Currency-Stablecoins überein (einschließlich der Single-Currency-Stablecoins, aus denen die ausstehenden ≋LBR bestehen). Diese Verpflichtung – die sich voraussichtlich in der FINMA-Lizenz für das Zahlungssystem widerspiegelt – trägt dazu bei, Zinsraten-, Liquiditäts- und Kreditrisiken zu minimieren.

Trotz dieser hochwertigen liquiden Mittel könnte Libra Networks Verluste erleiden (z. B. aufgrund unerwarteter Schwankungen bei Zinsraten) oder im Fall von wirtschaftlichen Einbrüchen auf Schwierigkeiten bei der Liquidation von Vermögenswerten stoßen. Zum Schutz der Verbraucher verfügt die Reserve deshalb zudem über einen Kapitalpuffer. Die Anregungen der Regulierungsbehörden haben die Association veranlasst, einen Kapitalrahmen zur Regulierung zu entwickeln, um einen Kapitalpuffer in ausreichender Höhe zur Abfederung von Verlusten zu erhalten. Dieser Kapitalpuffer soll zum Beispiel Schutz vor potenziellen Verlusten aufgrund von Kredit-, Markt- und Betriebsrisiken des Libra-Zahlungssystems bieten. Zu den Betriebsrisiken zählen externer oder interner Betrug, Unterbrechung des Geschäftsbetriebs sowie Systemausfälle und Versagen von Kontrollen. Die Verwaltung der Reserve wird für die Öffentlichkeit transparent sein. Die Reserve wird regelmäßig von unabhängigen Auditoren überprüft. Die Ergebnisse dieser Audits werden öffentlich zugänglich gemacht, zum Nachweis, dass alle Libra Coins im Umlauf vollständig durch entsprechende Vermögenswerte der Reserve gestützt sind. Die Association veröffentlicht auf ihrer Website täglich die jeweils aktuelle Zusammensetzung der Reserve und den jeweiligen Marktwert der Vermögenswerte.

Wir hoffen, dass mit der Zeit eine Zusammenarbeit zwischen der Association und Zentralbanken entsteht, insbesondere in Bezug auf Themen wie einer direkten Depotverwaltung von Bankeinlagen und sehr kurzfristigen Staatsanleihen oder der Integration des Libra-Zahlungssystems in CBDCs. Das würde das Kredit- und Depotrisiko reduzieren, den Betrieb der Reserve rationalisieren und wäre für Besitzer der Libra Coin praktischer.

Sollte Libra Networks negative Renditen bei kurzfristigen Staatsanleihen oder Bankeinlagen verzeichnen, müssen diese Kosten durch andere Einnahmen der Organisation (z. B. Transaktions- oder sonstige Gebühren) ausgeglichen werden. Zinserträge durch die Wertanlagen der Reserve, sofern verfügbar, werden genutzt, um die Betriebskosten zu begleichen, die Transaktionsgebühren gering zu halten, den Kapitalpuffer zu erhöhen und das Wachstum sowie die Akzeptanz von Libra zu fördern. Die Regeln zur Verteilung von Zinserträgen der Reserve werden im Voraus festgelegt und durch die Association überwacht. Libra Coin-Nutzer erhalten keine Dividenden von der Reserve.

Aufbewahrung und Vertragshändler

Die Vermögenswerte der Reserve werden dezentral durch ein geografisch verteiltes Netzwerk an kapitalkräftigen Depotbanken aufbewahrt, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Wir gehen davon aus, dass diese Institutionen bereits über eine Reihe von Maßnahmen zur Risikominimierung verfügen. Die Association schlägt die Einführung weiterer Maßnahmen für diese Depotbanken vor. Es muss sichergestellt werden, dass die Vermögenswerte der Reserve nicht für Kredite, Verpfändung oder Weiterverpfändung verwendet oder auf andere Weise aus dem Konto der Reserve entfernt werden, auch nicht kurzfristig. Die Vermögenswerte dürfen auch nicht als Sicherheit für Verpflichtungen der Depotbank genutzt werden, die nicht im Zusammenhang mit den Depotdiensten für Libra Networks stehen.

Libra Networks kommuniziert nicht direkt mit Verbrauchern, fungiert stattdessen jedoch als Partner für eine Anzahl von Vertragshändlern, um die Liquidität von Verbraucherprodukten wie Wallets und Börsen zu erhöhen. Diese Vertragshändler verpflichten sich, in engen Spreads zu handeln. Sie müssen in der Lage sein, einen hohen Devisenumschlag zu bewältigen. Falls Vertragshändler im Extremfall nicht mehr mit Libra Coins handeln können, greift Libra Networks auf eine bereits bestehende Vereinbarung mit einem externen Verwalter oder Händler zurück. Dieser wird in verwaltender Funktion die Vernichtung von Libra Coins für den Endverbraucher vornehmen und Vermögenswerte der Reserve liquidieren, um nach Bedarf Zahlungen vorzunehmen. Diese Notfallmaßnahmen werden stets nach den Richtlinien der zuständigen Regulierungsbehörden implementiert.

Notfallmaßnahmen

Die Association konzentriert sich auf die Implementierung eines Systems, das Risiken minimiert, Kapitalpuffer in ausreichender Größe zur Abfederung von Verlusten enthält sowie eine laufende und umfassende Aufsicht ermöglicht. Nichtsdestotrotz sind wir uns bewusst, dass Pläne vorliegen müssen für Ausnahmesituationen, die zu einem Ansturm führen und das Libra-Zahlungssystem überlasten könnten – auch wenn Szenarios dieser Art und die Möglichkeit eines Ausfalls des Libra-Zahlungssystems äußerst unwahrscheinlich sind. Im Kontext eines Sanierungs- und Abwicklungsplans prüft die Association die Bereitstellung zweier wichtiger Komponenten für den Fall von Ausnahmesituationen. Dazu zählt zum Beispiel der unwahrscheinliche Fall, dass das Libra-Netzwerk die kurzfristigen Staatsanleihen der Reserve nicht schnell genug gegen Bargeld umtauschen kann, um allen Anforderungen zur Vernichtung von Libra Coins ohne Verluste aufgrund von Zwangsverkäufen gerecht zu werden. Diese Komponenten werden in Betracht gezogen:

  • Rücknahmebremsen, die eine Rücknahme von Libra Coins verzögern, um genügend Zeit zur Liquidation der Reserve-Vermögenswerte einzuräumen. Das Zeitfenster ist dabei so ausgelegt, dass Verluste durch Zwangsverkäufe verhindert werden.
  • Abschläge für eine vorzeitige Rücknahme, die als Gebühr für Sofortverkäufe veranschlagt werden. Coin-Nutzer müssen die negative Externalität (z. B. Verluste durch Zwangsverkäufe) bei einem Ansturm mittragen.

Ziel beider Maßnahmen wäre eine Verlangsamung eines Ansturms auf die Reserve.

Sollten jedoch sowohl die Association als auch das Libra-Netzwerk ausfallen, beabsichtigen wir dennoch, Libra Coin-Nutzer so gut wie nur möglich zu schützen. Erstens, indem die Reserve vorwiegend aus sehr kurzfristigen Staatsanleihen besteht, die automatisch regelmäßig liquidiert werden. Auf diese Weise hat die Reserve für die Vernichtung von Libra Coins sehr schnell viel Geld zur Verfügung. Zweitens, sollte diese automatische Liquidation nicht schnell genug ausreichende Geldmengen generieren, um die Nachfrage zur Vernichtung von Libra Coins zu befriedigen, kann Libra Networks große Mengen an Anleihen mit einem geringen Nachlass auf den Nennwert verkaufen. Drittens, würde der Verkauf dieser Anleihen zu Verlusten führen, könnte Libra Networks Rücknahmen temporär aussetzen. Die übrigen Vermögenswerte werden währenddessen in einem Zeitfenster liquidiert, das ausreicht, um eine Beeinträchtigung des Markts zu minimieren. Wenn Vertragshändler tätig sind, würden sie im Auftrag von Verbrauchern Geldmittel im Austausch für Libra Coins entgegennehmen, basierend auf der Liquidation eines Teils des Reserve-Vermögens. Sind keine Vertragshändler tätig, betraut die Association dritte Verwalter mit diesen Aufgaben. The Association entwickelt gemeinsam mit Regulierungsbehörden einen Mechanismus, mit dem Verbraucher Mittel aus der Reserve zurückerhalten, falls weder Vertragshändler noch externe Verwalter oder Händler verfügbar sind.

Die vollständige Absicherung aller Coins ist eine Kernkomponente des gesamten Libra-Zahlungssystems. Wir nehmen Bedrohungen der Reserve sehr ernst, aber wir sind überzeugt, dass die oben ausgeführten Ansätze die Verbraucher vor vielen Risiken schützen, ganz gleich, wie unwahrscheinlich sie auch sein mögen.

Abschnitt 05

Compliance und Verhinderung rechtswidriger Handlungen

Nur wenn Personen und Unternehmen Vertrauen in die Sicherheit und Integrität des Libra-Zahlungssystems haben, schließen Sie sich auch dem Netzwerk an. Alle Zahlungssysteme sind laufend mit neuen Sicherheitsbedrohungen und anderen Risiken konfrontiert. Die Libra Association weiß, wie wichtig es ist, Mechanismen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, zur Einhaltung von Sanktionen und zur Verhinderung rechtswidriger Handlungen zu integrieren, um Bedrohungen und Risiken effektiv zu begegnen. Die Herausforderung für die Libra Association besteht darin, ihrer Mission entsprechend Menschen mit eingeschränktem Zugang zu Finanzmitteln einfache Zahlungsmöglichkeiten zu bieten und gleichzeitig wichtigen politischen Anliegen Rechnung zu tragen.

Die Association und ihre Tochterunternehmen arbeiten an einem Zahlungssystem, das die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt, sicher und verbraucherfreundlich ist und den Anforderungen von Regulierungsbehörden, Zentralbanken und Gesetzgebern entspricht, um Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und andere Verstöße zu verhindern. Die Association und ihre Tochterunternehmen implementieren das folgende Compliance-Framework zur Einhaltung ihrer regulatorischen Verpflichtungen und der Compliance-Verpflichtungen der Teilnehmer am Libra-Zahlungssystem. Kontrollmechanismen auf Protokollebene unterstützen die Association und ihre Tochterunternehmen bei der Umsetzung hoher Compliance-Standards.

Teilnehmer und Zahlungsaktivitäten im Libra-Netzwerk

Das sind die speziellen Aufgaben der Teilnehmer im Libra-Netzwerk im Überblick:

Teilnehmer: Die Association und/oder ihre Tochterunternehmen

  • Verantwortlich für die Governance des Libra-Netzwerks und die Entwicklung des Libra-Projekts.
  • Führen die Due-Diligence-Prüfung von Association-Mitgliedern, Vertragshändlern und Validators durch.
  • Steuern die Erstellung und Vernichtung von Libra Coins.
  • Entwickeln Compliance-Standards für die Netzwerk-Teilnehmer und implementieren Compliance-Kontrollmechanismen auf Protokollebene und anderen Ebenen.
  • Unterhalten eine Financial Intelligence-Abteilung (Financial Intelligence Function, FIU-Funktion) zur Überwachung des Netzwerks und Kennzeichnung verdächtiger Aktivitäten.

Teilnehmer: Mitglieder der Association

  • Übernehmen die Governance der Association.
  • Sie unterliegen einer regelmäßigen Due-Diligence-Prüfung durch die Association.

Teilnehmer: Vertragshändler

  • Unternehmen mit der Berechtigung, gemäß einer Vereinbarung mit Libra Networks Libra Coins von Libra Networks zu kaufen und an Libra Networks zu verkaufen.
  • Führen den Kauf und Verkauf von Libra Coins mit Börsen und Over-the-Counter- Händlern durch, um den Libra Coin-Markt für Endverbraucher zu vereinfachen.
  • Unterliegen einer regelmäßigen Due-Diligence-Prüfung durch die Association und/oder ihre Tochterunternehmen. Es muss sich um kapitalkräftige Finanzinstitute mit Erfahrung in Devisengeschäften handeln.

Teilnehmer: Virtual Asset Service Provider

  • Von der Financial Action Task Force (FATF) im Juni 2019 in den Richtlinien (FATF Guidance) zu Virtual Assets und Virtual Asset Service Providers definiert.
  • Unternehmen, die den Umtausch und die Verwahrung sowie ähnliche Finanzdienstleistungen für Kunden des Libra-Netzwerks vollziehen.
  • Bestimmte Virtual Asset Service Providers (VASPs) können im Libra-Netzwerk ohne Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkung tätig sein. Diese Unternehmen werden reguliert und einem risikobasierten Due-Diligence-Prozess unterzogen, der von der Association oder einer ihrer Tochterunternehmen festgelegt wird. Dieser Prozess beinhaltet ferner die Bestätigung, dass der VASP in einem FATF-Mitgliedsstaat als VASP registriert oder lizenziert ist oder dass er in einem FATF-Mitgliedsstaat als VASP registriert oder lizenziert und berechtigt ist, VASP-Aktivitäten gemäß einer solchen Lizenz oder Registrierung durchzuführen (Regulated VASPs). Bestimmte weitere VASPs werden einer risikobasierten Compliance-Zertifizierung durch die Association oder einen externen Dienstanbieter unterzogen, wobei von der Association oder einer ihrer Tochterunternehmen (Certified VASPs) festgelegte Standards angewendet werden.
  • Die Association kann gegebenenfalls Transaktions- und Adress-Saldo- Beschränkungen für bestimmte Regulated und Certified VASP festlegen, die ihrem jeweiligen Risikoprofil entsprechen.

Teilnehmer: Unhosted-Wallet-Nutzer

  • Libra Blockchain-Adressen, die keinem Regulated VASP, Certified VASP oder Vertragshändler gehören.
  • Diese Adressen unterliegen Kontrollen. Dazu zählen unter anderem Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen, die neben anderen Kontrollen vom Protokoll angewendet werden.

Details zu den Compliance- und Sicherheitskontrollen im Libra-Netzwerk

A. Die Association entwickelt ein umfassendes Compliance-Programm

Die Association implementiert ein umfassendes Compliance-Programm, das die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen und Anforderungen erfüllt oder übertrifft. Mindestvoraussetzungen des Compliance-Programms:

  • Benennung eines Chief Compliance Officers.
  • Benennung eines Komitees zur Überwachung der Berichterstattungspflichten.
  • Entwicklung schriftlich fixierter vom Vorstand der Association (und/oder dem Vorstand der Tochterunternehmen) genehmigter Compliance-Richtlinien und Verfahren zu AML/CFT/Sanktionen auf Basis einer Risikoeinschätzung.
  • Durchführung einer risikobasierten Due-Diligence-Prüfung für alle Mitglieder, Vertragshändler, Regulated und Certified VASPs.
  • Gegebenenfalls regelmäßige Überprüfung der AML-/CFT-/Sanktionsprogramme, basierend auf regelmäßigen Risikoeinschätzungen und sich ergebenden Regulierungsbestimmungen.
  • Erstellung einer FIU-Funktion für eine einfache Überwachung bei potenziell verdächtigen und sanktionierten Aktivitäten im Libra-Netzwerk, um die Sicherheit und Compliance im Netzwerk zu erhöhen.
  • Einführung einer Funktion, zum Beispiel eines internen Audits, das den Unabhängigkeitsstandards zur Durchführung regelmäßiger unabhängiger Überprüfungen der AML-/CFT-/Sanktions-Compliance-Programme der Association entspricht.
  • Durchführung entsprechender Mitarbeiterschulungen.

B. Die Association legt obligatorische Standards für die uneingeschränkte Nutzung des Libra-Zahlungssystems fest

Die Association und/oder ihre Tochterunternehmen legen für den Zugang zum Libra-Netzwerk obligatorische Standards für Mitglieder, Vertragshändler, Regulated VASPs und Certified VASPs fest. Unternehmen, die diesen Standards entsprechen, können ohne Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen im Libra-Netzwerk tätig sein. In einigen Fällen unterliegen die Unternehmen eventuell auch höheren Beschränkungen als denen, die für Unhosted Wallets gelten.

C. Die Association führt die Due-Diligence-Prüfung von Association-Mitgliedern und Vertragshändlern durch

Die Association und/oder eines ihrer Tochterunternehmen führen die Due-Diligence-Prüfung aller künftigen Association-Mitglieder vor deren Aufnahme in die Association und potenzieller Vertragshändler vor Unterzeichnung der Vereinbarung durch.

Diese Due-Diligence-Prüfung erfolgt je nach Bedarf in Übereinstimmung mit Standards, die von der Association für Mitglieder und Vertragshändler festgelegt wurden und die dazu dienen, ein hohes Maß an Compliance, Seriosität und Vertrauenswürdigkeit zu schaffen. Die Due-Diligence-Prüfung der Mitglieder und Vertragshändler beinhaltet unter anderem Folgendes:

  • Unternehmensstatus
  • Sanktionsüberwachung
  • Negative Schlagzeilen
  • Wirtschaftlicher Eigentümer und Kontrollpersonen
  • Einhaltung der entsprechenden gesetzlichen Anforderungen zur AML-/CFT-/Sanktions-Compliance (sofern gegeben)
  • Lizenzen und Registrierungen
  • Unternehmenssitz und geografische Reichweite des Kundenstamms

Im Rahmen der Due-Diligence-Prüfung stellen die Association und/oder ihre Tochterunternehmen auch sicher, dass alle Vertragshändler die Anforderungen hinsichtlich Kapital und Erfahrung in Devisengeschäften besitzen und dass alle Vertragshändler im Gegenzug ebenfalls eine Due-Diligence-Prüfung ihrer nachgelagerten Geschäftspartner im Libra-Zahlungssystem durchführen.

Abgesehen von der Due-Diligence-Prüfung zu künftigen Mitgliedern und Vertragshändlern wird diese Prüfung auch fortlaufend für bereits bestehende Mitglieder und Vertragshändler regelmäßig und auf Risikobasis durch die Association und/oder einer ihrer Tochterunternehmen durchgeführt.

D. Die Association verteilt Libra Coins durch regulierte Vertragshändler

Libra Networks erstellt Libra Coins für die Verteilung auf dem Markt nur in Kooperation mit Vertragshändlern und nimmt Libra Coins nur von diesen Vertragshändlern entgegen. Bei den Vertragshändlern handelt es sich um regulierte, kapitalkräftige Finanzinstitute mit der Berechtigung, gemäß einer Vereinbarung mit Libra Networks Libra Coins von Libra Networks zu kaufen und an Libra Networks zu verkaufen. Dieses Unternehmen wiederum wickeln den Kauf und Verkauf von Libra Coins mit Börsen und Over-the-Counter-Händlern ab, um den Libra Coin-Markt für Endverbraucher zu vereinfachen. Libra Networks erstellt oder vernichtet Libra Coins in Kooperation mit Vertragshändlern. Libra Networks pflegt keinerlei vertragliche Beziehung zu Börsen oder Endverbrauchern, ausgenommen eventueller vertraglicher Anwartschaften im Rahmen der Notfallmaßnahmen.

E. Nur Regulated oder Certified VASPs dürfen im Netzwerk ohne Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkung tätig sein

Die Association geht davon aus, dass die meisten Verbraucher über VASPs mit dem Libra-Zahlungssystem interagieren. VASPs ermöglichen die Transaktionen für ihre Nutzer und protokollieren gegebenenfalls einige Transaktionen intern in eigenen Büchern statt in der Libra Blockchain. Regulated VASPs und Certified VASPs, wie unten erläutert, dürfen das Libra-Netzwerk ohne Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkung nutzen, die für Unhosted Wallets (siehe unten) gelten.

Regulated VASPs

Ein Regulated VASP ist in einem FATF-Mitgliedsstaat als VASP registriert oder lizenziert, oder er ist in einem FATF-Mitgliedsstaat als VASP registriert oder lizenziert und berechtigt, VASP-Aktivitäten gemäß einer solchen Lizenz oder Registrierung durchzuführen.

Ein Unternehmen, das als Regulated VASP geführt werden möchte, muss einen Antrag zur Genehmigung durch die Association oder eines ihrer Tochterunternehmen stellen. Der Antrag muss mindestens Folgendes enthalten:

  • Nachweis der Lizenzierung oder Registrierung in einem FATF-Mitgliedsstaat, in dem eine derartige Lizenz oder Registrierung die entsprechenden VASP-Aktivitäten zulässt.
  • Einen Beleg, dass das Unternehmen alle gesetzlich erforderlichen Lizenzen und Registrierungen in dem Land besitzt, in dem sich das Unternehmen befindet und tätig ist. Basierend auf den vom Unternehmen bereitgestellten Informationen und dem Ergebnis der zum Unternehmen durchgeführten risikobasierten Due-Diligence-Prüfung vergewissert sich die Association oder eines ihrer Tochterunternehmen, dass das Unternehmen in einem FATF-Mitgliedsstaat ordnungsgemäß registriert oder lizenziert und berechtigt ist, VASP-Aktivitäten gemäß einer solchen Lizenz oder Registrierung durchzuführen.
  • Vorstellung eines soliden risikobasierten Compliance-Programms zur Einhaltung von Bestimmungen mit Kontrollmechanismen.

Nach einer erfolgreichen Überprüfung und der risikobasierten Due-Diligence-Prüfung des VASP durch die Association, eines ihrer Tochterunternehmen oder eines geprüften externen Dienstanbieters, erhält das Unternehmen die Genehmigung, Regulated-VASP-Adressen im Libra-Netzwerk zu erstellen. Diese Adressen ermöglichen dem Regulated VASP ohne Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkung Geschäfte durchzuführen. Die Association kann bestimmten Regulated-VASP-Adressen abhängig vom jeweiligen Risikoprofil gegebenenfalls Transaktions- und Adress-Saldo Beschränkungen zuweisen.

Die Association oder eines ihrer Tochterunternehmen führt und veröffentlicht ein Verzeichnis der Regulated VASPs und ihrer Status. Das Unternehmen muss seinen Regulated-VASP-Status jährlich neu zertifizieren. Die Association, eines ihrer Tochterunternehmen oder ein geprüfter externer Dienstanbieter führt zudem eine laufende Überprüfung auf Änderungen am gesetzlichen Status von Regulated VASPs oder auf andere Entwicklungen hinsichtlich des Risikoprofils der VASPs durch.

Certified VASPs

Ein Certified VASP besitzt nicht die Voraussetzungen, die für Regulated VASPs gelten, wurde jedoch nach Standards zertifiziert, die von der Association festgelegt wurden. Mit dem Status Certified VASP sollen VASPs zugelassen werden, die in FATF-Staaten ohne VASP-Bestimmungen oder in Staaten tätig sind, die nicht zur FATF gehören. Voraussetzung ist, dass sie die entsprechenden Standards für Dienstleistungen im Libra-Netzwerk erfüllen. Sie unterliegen dann nicht den Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen, die für Unhosted Wallets (siehe unten) gelten. Jeder VASP aus einem FATF-Mitgliedsstaat, der über ein Lizenz- oder Registrierungssystem verfügt, muss dementsprechend lizenziert oder registriert sein und unterliegt der Due-Diligence-Prüfung für Regulated VASPs.

Unter die höchste Stufe als Certified VASP fallen VASPs, die die von der Association festgelegten Anforderungen erfüllen. Voraussichtlich werden diese Anforderungen im Wesentlichen mit den in der FATF Guidance aufgeführten Richtlinien übereinstimmen. Die Association kann anhand von Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen für bestimmte Certified VASP ihrem jeweiligen Risikoprofil entsprechend niedrigere Zertifizierungsstufen festlegen.

Ein Unternehmen, das als Certified VASP geführt werden möchte, muss die Zertifizierung beantragen. Es muss nachweisen, dass es Standards der Association erfüllt und ein risikobasiertes Compliance-Programm zur Einhaltung von Bestimmungen mit Kontrollmechanismen eingerichtet hat. Die Zertifizierung kann durch die Association, eines ihrer Tochterunternehmen oder durch einen oder mehrere von der Association genehmigte, geprüfte externe Zertifizierungsanbieter erfolgen. Beispielsweise könnte ein Vertragshändler die Due-Diligence- Prüfung im Rahmen seines Know-Your-Business(KYB)-Programms abwickeln, oder eine ausgewiesene unabhängige Prüfungsgesellschaft führt die Zertifizierung für Antragsteller gebührenpflichtig durch.

Die Association oder eines ihrer Tochterunternehmen führt und veröffentlicht ein Verzeichnis der Certified VASPs und ihrer Status. Der VASP muss seinen Certified-VASP-Status jährlich neu zertifizieren. Zudem führt die Zertifizierungsstelle eine entsprechende risikobasierte Due-Diligence-Prüfung zum VASP durch (oder hat diese im Auftrag einer weiteren Zertifizierungsstelle durchgeführt), ebenso wie eine laufende Überwachung des Status.

Unhosted-Wallet-Aktivitäten für Nutzer unterliegen Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen und weiteren Kontrollen.

Die Association hält es für wichtig, dass auch Nicht-VASPs, genauer Unhosted Wallets, auf das Libra-Netzwerk zugreifen können. Das schafft die Grundlage für finanzielle Gleichberechtigung, einen breiten Zugang zu Finanzdienstleistungen und Raum für Innovation und Wettbewerb:

Finanzielle Gleichberechtigung: Die Association möchte, dass das Libra-Netzwerk innerhalb des bestehenden Regulierungsrahmens so integrativ wie möglich ist. Weltweit werden viele Menschen vom Netzwerk profitieren, die keine oder nur wenige Bankdienstleistungen erhalten und sich nicht an Regulated oder Certified VASPs wenden können. Denn für viele der VASPs sind Dienste für diese Gruppen möglicherweise wirtschaftlich nicht machbar. Wenn Menschen ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen die Möglichkeit haben, Unhosted Wallets zu verwenden, können auch sie die sicheren, kostengünstigen und schnellen Zahlungsdienste des Libra-Netzwerks nutzen.

1,7 Milliarden Erwachsene weltweit sind heute immer noch von Finanzsystemen ausgeschlossen und haben keinen Zugang zu einer herkömmlichen Bank, obwohl etwa zwei Drittel von ihnen ein Mobiltelefon und mehr als ein Drittel Internetzugang besitzen. Unhosted Wallets können dieses Problem beheben.

Raum für Innovation und Wettbewerb: Mit Unhosted Wallets bietet das Libra-Netzwerk Softwareentwicklern eine Plattform mit bereits integrierten Sicherheitsfunktionen wie Sanktionsüberwachung auf Protokollebene, eine Compliance-Infrastruktur (z. B. FIU-Funktion), Zugriff auf breite Bevölkerungsgruppen und niedrige Zugangsbarrieren. All das fördert Innovation und Wettbewerb und bereitet den Weg für qualitativ hochwertige Verbraucher-Wallets.

Unhosted Wallets schaffen auch die Voraussetzung für innovative Produkte auf Basis von Smart Contracts. Ein Zahlungssystem ermöglicht den Teilnehmern, Zahlungen abzuwickeln und das Risiko für alle zu minimieren. In diesem Sinne ermöglichen Smart Contracts den Teilnehmern, eine komplexere Geschäftslogik zu vereinbaren, die dann direkt durch das Libra-Netzwerk ausgeführt wird. So können innovative Anwendungen entstehen. Smart Contracts haben sicherlich das Potenzial, das Libra-Netzwerk über seine Kernfunktionen hinaus durch weitere nützliche Funktionen zu ergänzen. Smart Contracts werden nach Genehmigung durch die Association oder eines ihrer Tochterunternehmen im Lauf der Zeit für die Verwendung in der Entwicklung bereitgestellt. Die Genehmigung wird erteilt, wenn ausreichende Kontrollmechanismen zur Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und Risikominimierung vorhanden sind. Unhosted Wallets stellen sicher, dass alle Nutzer auf diese innovativen Dienste zugreifen können, auch wenn sie keinen Regulated oder Certified VASP finden, der Smart-Contract-Funktionen unterstützt.

Der Association ist klar, dass Unhosted Wallets möglicherweise ein höheres Risiko für Compliance-Verstöße und Wirtschaftskriminalität mit sich bringen. Um diesen Risiken zu begegnen, werden alle Unhosted Wallets zusätzlichen Kontrollen unterzogen. Das sind zum Beispiel alle Adressen der Libra Blockchain, die nicht zu einem Regulated oder Certified VASP oder Vertragshändler gehören.

Das Libra-Protokoll wendet Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen auf jede Unhosted-Wallet-Adresse an. Nutzer, die über diese Beschränkungen hinausgehende Transaktionen durchführen möchten, müssen sich an einen Regulated oder Certified VASP wenden.

Der Association ist klar, dass böswillige Nutzer diese Beschränkungen und Kontrollen zu umgehen versuchen. Das geschieht vermutlich, indem sie mehrere Unhosted Wallets erstellen und gleichzeitig nutzen, um unter den Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen zu bleiben – ohne als Regulated oder Certified VASP tätig zu sein. Die FIU-Funktion ist speziell dafür ausgelegt, derartige Aktivitäten zu erkennen und zu verhindern (siehe unten Abschnitt H).

F. Automatisierte Compliance-Kontrollen auf Protokollebene werden auf alle Aktivitäten in der Blockchain angewendet

Die Association nimmt bestimmte Compliance-Kontrollen direkt in das Libra-Protokoll auf. Mit diesen Kontrollen sollen bestimmte Compliance-Anforderungen auf alle Transaktionen in der Libra Blockchain angewendet werden.

Im Rahmen des Libra-Protokolls werden unter anderem folgende Compliance-Kontrollen implementiert:

  • Sanktionierte Adressen: Kontrollen auf Protokollebene werden für alle Netzwerkteilnehmer wirksam, einschließlich Unhosted Wallets und VASPs. Sie verhindern automatisch Transaktionen zu Blockchain- Adressen, die von Behörden als zu sanktionierten Personen gehörend ausgewiesen wurden (sanktionierte Blockchain-Adressen). Zudem lassen sich mithilfe dieser Kontrollen die in sanktionierten Blockchain-Adressen gespeicherten Beträge beschränken.
  • Sanktionierte Staaten: Kontrollen auf Protokollebene verhindern automatisch die Durchführung von Transaktionen von IP-Adressen, die zu sanktionierten Staaten gehören.
  • Unhosted Wallet-Beschränkungen: Kontrollen auf Protokollebene wenden Transaktions- und Adress-Saldo- Beschränkungen auf Unhosted Wallets an.
  • VASP-Zertifizierungen: Kontrollen auf Protokollebene setzen Anforderungen zur Erneuerung der Zertifizierung für Regulated und Certified VASPs durch.
  • Travel Rule: Das Libra-Protokoll verlangt von Regulated und Certified VASPs eine Bestätigung, dass bei Transaktionen die Travel Rule eingehalten wird. Ein Protokoll außerhalb der Blockchain unterstützt Regulated und Certified VASPs bei der Einhaltung der Travel Rule (siehe unten Abschnitt G).

G. Die Association entwickelt ein außerhalb der Blockchain verwaltetes Travel-Rule-Protokoll

Die Association entwickelt ein Protokoll, das außerhalb der Blockchain verwaltet wird und die Einhaltung der geltenden Travel Rule sowie der Aufzeichnungspflichten für Regulated und Certified VASPs vereinfacht. Dieses Protokoll ermöglicht den Austausch von Informationen zwischen diesen Teilnehmern des Libra-Netzwerks, damit sie ihre eigenen Compliance-Anforderungen umsetzen können. Es enthält ein freies Textfeld, mit dem zusätzliche Informationen weitergegeben werden können. Unhosted-Wallet-Adressen können mithilfe dieses externen Blockchain-Protokolls erforderliche oder angeforderte Daten an Regulated und Certified VASPs senden. Die Association führt eine öffentliche Liste der Regulated und Certified VASPs, und die Regulated und Certified VASPs bestätigen öffentlich die Einhaltung der geltenden Travel Rule sowie der Aufzeichnungspflichten (siehe oben Abschnitt F).

H. Die FIU-Funktion der Association überwacht die Aktivitäten des Libra-Netzwerks und koordiniert die Teilnehmer des Libra-Netzwerks

Die Association und/oder eine ihrer Tochterunternehmen betreiben eine FIU-Funktion, die dazu dient, die hohen Compliance-Standards des Libra-Zahlungssystems zu wahren. Die FIU-Funktion überwacht die Aktivitäten im Libra-Netzwerk und kooperiert mit Regierungsbehörden und Dienstanbietern. Ziel ist es, eine unangemessene Verwendung der Plattform aufzuspüren und zu unterbinden.

Zusammenarbeit mit den Teilnehmern des Libra-Netzwerks

Regulated und Certified VASPs sowie Vertragshändler, die im Libra-Netzwerk tätig sind, haben ihre eigenen Compliance-Programme, die regelmäßig von der Association oder einer ihrer Tochterunternehmen oder einem externen geprüften Dienstanbieter im Rahmen ihrer risikobasierten Due-Diligence-Prüfung überprüft werden. Die FIU-Funktion ist dafür ausgelegt, in Kooperation mit diesen Netzwerk-Teilnehmern potenziell rechtswidrige oder unlautere Aktivitäten zu erkennen und zu melden. Unter Maßgabe des geltenden Rechts ist die FIU-Funktion dafür ausgelegt, die Zusammenarbeit und Abstimmung mit Vertragshändlern Regulated und Certified VASPs und anderen Netzwerkteilnehmern zu ermöglichen, um Risikosignale und Compliance-Insights (z. B. die Erkennung neuer Typologien, mit einem höheren Risiko verbundene Adressen und Strukturierung) zu erfassen und auszutauschen.

Erkennung verdächtiger Aktivitäten und der Umgehung von Kontrollen zur Protokoll-Compliance

Ein wichtiges Ziel der FIU-Funktion ist es, verdächtige Aktivitäten zu erkennen und Versuche, Kontrollen zur Protokoll-Compliance zu umgehen, zu unterbinden. Dazu zählen auch Versuche, Sanktionen bestimmter Länder sowie Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen zu umgehen. Die FIU-Funktion greift zur Erkennung verdächtiger Aktivitäten im Libra-Netzwerk auf Netzwerkanalysetechniken zurück und bezieht Dienst- und Technologieanbieter zur Überwachung der Blockchain ein.

Wird eine verdächtige Aktivität erkannt, sendet die FIU-Funktion Signale zu erhöhten Risiken an die Netzwerk-Teilnehmer und zuständigen Behörden, wenn dies gesetzlich erlaubt oder erforderlich ist. Es kann auch sein, dass Adressen dieser Art gemäß gerichtlicher oder verwaltungsbehördlicher Anordnungen eingeschränkt sind.

I. Die Association reagiert auf potenziell verdächtige oder sanktionierte Aktivitäten, unter anderem über Meldungen

Wenn potenziell verdächtige und/oder sanktionierte Aktivitäten von der FIU-Funktion der Association festgestellt werden, werden die Libra Blockchain-Adressen und entsprechende Beweise an die Dienstanbieter der Blockchain- Überwachung und die Netzwerkteilnehmer gemäß geltendem Recht weitergeleitet. Die Dienstanbieter werden diese Informationen voraussichtlich in ihren Datenbestand integrieren, um die Netzwerkteilnehmer und Regulierungsbehörden zu informieren.

Um einen Missbrauch zu vermeiden, werden VASPs unter Maßgabe des geltenden Rechts gegebenenfalls durch die FIU-Funktion zu den Libra Blockchain-Adressen von Unhosted Wallets benachrichtigt, die potenziell versuchen, festgelegte Beschränkungen zu umgehen.

Reporting und Strafverfolgung

Die FIU-Funktion der Association überwacht aktiv das Netzwerk und nutzt nach Bedarf gemeinsame Risikosignale von Händlern, Regulated und Certified VASPs, Mitgliedern und anderen Netzwerk-Teilnehmern. Werden potenziell verdächtige oder sanktionierte Aktivitäten erkannt, sendet die FIU-Funktion entsprechende Meldungen an die zuständigen Behörden, wenn dies gesetzlich erlaubt oder erforderlich ist.

Die FIU-Funktion der Association kommt Anfragen nach Informationen oder Unterstützung durch Strafverfolgungsbehörden hinsichtlich der Verwendung des Libra-Netzwerks nach, sofern gesetzlich erlaubt oder erforderlich.

Abschnitt 06

Offenes und wettbewerbsorientiertes Netzwerk

Die Sicherheit und Integrität des Libra-Netzwerks haben für die Libra Association oberste Priorität. Wir starteten unser Projekt gemeinsam mit Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen, die unsere Vision teilten: ein vernetztes globales Zahlungssystem zum Wohle aller. Ein klares Konzept, wie die Erneuerung der Mitgliedschaft und die Ausdehnung der Teilnehmer im Lauf der Zeit vonstattengehen soll, ist jedoch ebenfalls sehr wichtig.

Wir glauben, dass Wettbewerb eine Voraussetzung für den Aufbau eines hoch interoperablen, effizienten und innovativen Zahlungssystems ist. Im ersten Libra-Whitepaper gingen wir davon aus, dass wir dieses Ziel am besten durch einen allmählichen Übergang des Netzwerks zu einem genehmigungsfreien System erreichen. In den darauffolgenden Monaten meldeten jedoch die Regulierungsbehörden einer Reihe von Staaten, darunter die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA), Bedenken an. Sie fürchteten, die Association wäre möglicherweise nicht in der Lage, die Compliance-Vorgaben des Netzwerks bei einem Übergang zu einem genehmigungsfreien Netzwerk aufrechtzuerhalten, in dem beispielsweise keine Due-Diligence-Prüfung von Validators stattfindet.

Hier stellen wir ein neues Konzept vor, das die Association derzeit untersucht. Neuen Teilnehmern soll die Möglichkeit gegeben werden, sich für die Bereitstellung der Kerndienste des Netzwerks zu bewerben und an der Governance des Libra-Netzwerks teilzunehmen. Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass die Association alle regulatorischen Erwartungen erfüllt. Zu den wichtigsten Zielen eines genehmigungsfreien Netzwerks, die wir integrieren möchten und um die neue Teilnehmer konkurrieren sollen, zählen:

  1. Die Bereitstellung von Zahlungen und Finanzdienstleistungen für Unternehmen und Verbraucher.
  2. Die Möglichkeit, unabhängige Validator Nodes zu betreiben, die die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Libra-Konsensprotokolls erhöhen, da ihre Ausfallrisiken nicht korrelieren.
  3. Aktive Teilnahme an der Governance und Entwicklung des Libra-Projekts.

Das Libra-Projekt verwirklicht das erste Ziel gleich von Anfang an, da das Netzwerk auf einem offenen Technologiestandard aufbaut und das Libra-Protokoll eine hohe Interoperabilität zulässt. Das zweite und dritte Ziel erfordern einen marktgesteuerten Prozess, in dem neu zugelassene Association-Mitglieder beitreten und den Wettbewerb mit bestehenden Mitgliedern aufnehmen können. Der nächsten Abschnitt skizziert, wie das funktionieren könnte.

Ausloten eines offenen, transparenten und wettbewerbsorientierten Markts für Netzwerkdienste und Governance

Ein offener, transparenter und wettbewerbsorientierter Prozess für die Bereitstellung von Netzwerkdiensten und Governance des Netzwerks ist Voraussetzung für 1) die Erweiterung der Mitgliederzahl der Association und 2) die Möglichkeit ihrer Erneuerung im Lauf der Zeit. In beiden Phasen sind die Kriterien der Association auf eine offene Ausschreibung ausgelegt, um einen objektiven und transparenten Auswahlprozess zu gewährleisten und sicherzustellen, dass er den Weg bereitet für Wachstum, Diversität, Sicherheit und Integrität des Netzwerks.

1. Erweiterung der Mitgliederzahl: Die Association möchte neue Mitglieder in einem offenen Ausschreibungsprozess gewinnen. Die Anzahl der jeweils aufzunehmenden Mitglieder soll in jedem Durchgang definiert werden. Potenzielle Bewerber reichen eine Bewerbung ein, die Folgendes umreißen sollte:

  • Grundlegende Informationen, die belegen, dass der Bewerber die Anforderungen einer Mitgliedschaft erfüllt, einschließlich der Compliance Due Diligence.
  • Technische Informationen, die veranschaulichen, dass der Bewerber zum erfolgreichen Betrieb eines Validator Nodes in der Lage ist.
  • Informationen zur Wirtschaftsleistung als Nachweis der früheren und künftigen Befähigung des Bewerbers, zum Wachstum des Libra-Netzwerks beizutragen.
  • Einen finanziellen Beitrag zu den Kosten und Incentives der Association.

Anhand der Informationen aus dem Bewerbungsformular wird ein transparenter Member Contribution Score (MCS) berechnet, der das Ranking der Bewerbungen definiert. Vor jeder offenen Ausschreibung werden die Bedingungen veröffentlicht, nach denen der MCS veröffentlicht wird. Auswertungen dieser Art werden heutzutage gemeinhin für Zuteilungsmechanismen eingesetzt (z. B. Aufnahmeverfahren und Werbeauktionen).

2. Erneuerung der Mitgliedschaft: Die Association möchte, dass neue Mitglieder beitreten und sich für die Bereitstellung der Kerndienste des Netzwerks und die Beteiligung an der Governance des Netzwerks bewerben können. Gleichzeitig sollen bestehende Mitglieder die Mitgliedschaft erneuern können, wenn sie eine gute Leistung gezeigt haben – sowohl beim Betreiben eines Validator Nodes als auch der Ausdehnung des Netzwerks. Im Lauf der Zeit kann die Association die MCS-Berechnung und den Auswahlprozess neuen Anforderungen und Gegebenheiten entsprechend anpassen. Sie achtet aber stets darauf, ihren Zielen treu zu bleiben und diskriminierungsfreie Kriterien anzuwenden. All diese Entscheidungen werden unter Berücksichtigung des Kartell- und Wettbewerbsrechts, unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und im Einklang mit den Governance-Verfahren der Satzung getroffen.

Sollten Mitglieder die Integrität oder Sicherheit des Netzwerks gefährden, könnte die Association diese Mitglieder in einem speziellen Verfahren aus der Validator-Gruppe ausschließen und ihnen in schwerwiegenden Fällen die Mitgliedschaft entziehen. Der Ausschluss aus der Validator-Gruppe kann auch bei schwerwiegenden Verstößen gegen Mitgliedschaftskriterien erfolgen, bei regulatorischen Konflikten, Strafverfahren oder einer Gefährdung der Stabilität und Integrität des Netzwerks. Die Association kann eine außerplanmäßige Ausschreibung für neue Mitglieder in die Wege leiten, falls die Leistung des Netzwerks Schwächen zeigt oder sonstige schwerwiegende Governance-Probleme auftreten.

Abschnitt 07

Die Libra Association

Wir glauben, die Libra-Mission kann nur in Kooperation mit unterschiedlichen und unabhängigen Partnern Realität werden. Die Libra Association – eine unabhängige Mitgliederorganisation – und ihr hundertprozentiges Tochterunternehmen Libra Networks haben bei ihren Sitz in Genf in der Schweiz. Beide Organisationen haben ihren Sitz in Genf in der Schweiz. Die Association möchte sich als anerkannte internationale Institution etablieren. Dass die Schweiz als Basis für die Association gewählt wurde, ist in ihrer Offenheit für Finanzinnovation begründet, in ihrer soliden Finanzregulierung und ihrer historischen Rolle als Plattform für internationale Organisationen.

Die Association soll die folgenden Aufgaben erfüllen: Den Betrieb des Libra-Zahlungssystem vereinfachen; die Stakeholder in ihrem Bemühen koordinieren, das Netzwerk voranzubringen, zu entwickeln und zu erweitern; die Verwaltung der Libra-Reserve überwachen und die Bereitstellung von Diensten im Libra-Zahlungssystem sicher und regelkonform ermöglichen.

Die Association wird durch das Libra Association Council geleitet, das sich aus jeweils einem Vertreter der einzelnen Association-Mitglieder zusammensetzt. Jeder Vertreter hat eine Stimme in Fragen, die dem Council zur Bewilligung vorgelegt werden. Die Council-Mitglieder entscheiden gemeinsam über Richtlinien, die die Governance des Libra-Netzwerks und der Reserve betreffen. Zu den Mitgliedern zählen derzeit Unternehmen und gemeinnützige Organisationen aus aller Welt. Das Council kann Befugnisse an den Vorstand und die Führungsebene der Association delegieren und mit der Ausführung seiner Entscheidungen betrauen. Wichtige Entscheidungen zu den Richtlinien erfordern die Zustimmung von zwei Dritteln der Council-Mitglieder. Die gleiche Mehrheit ist für Entscheidungen zum Netzwerk im LibraBFT-Konsensprotokoll (Libra Byzantine Fault Tolerance ) vorgeschrieben.

Über die Association werden die Mitglieder entsprechend der technischen Roadmap und der Entwicklungsziele des Netzwerks ausgerichtet. In diesem Sinne ähnelt die Association anderen gemeinnützigen Organisationen, die häufig in Stiftungsform andere Open-Source-Projekte verwalten. Das Council ernannte im Dezember 2019 ein technisches Lenkungsgremium (Technical Steering Committee, TSC), das sich aus Vertretern aus fünf Mitgliederorganisationen zusammensetzt. Seine Aufgabe ist die Überwachung und Koordination der technischen Konzeption und die Entwicklung des Libra-Netzwerks. Der Erfolg des Libra-Netzwerks hängt vom Wachstum einer weit verbreiteten Entwickler-Community von Personen ab, die sich am Open-Source-Projekt beteiligen. Das TSC erfüllt somit eine wichtige Funktion für die Community bei der Koordination in Bezug auf die Entwicklung und Umsetzung von Protokollen und Spezifikationen. Es dient ferner als Ressource für alle Entwickler, die an Beiträgen zu Libra arbeiten.

Die Association ist die Muttergesellschaft von Libra Networks, dem Unternehmen, das unmittelbar mit dem Betrieb des Libra-Zahlungssystems, der Prägung und Vernichtung von Libra Coins sowie der Verwaltung der Reserve betraut ist. Deshalb beantragt Libra Networks derzeit eine Lizenz für den Betrieb eines Zahlungssystems bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA). Wenn die Zahlungssystemlizenz erteilt wurde, unterliegt Libra Networks der laufenden Aufsicht durch die FINMA. Folglich erfordern dann alle Entscheidungen, die mit der Lizenz in Zusammenhang stehen, wie Änderungen an Verwaltungsregeln der Libra Reserve oder neue Dienstleistungen, gegebenenfalls die vorherige Genehmigung der FINMA. Neben der direkten Aufsicht des lizenzierten Unternehmens Libra Networks, unterliegen auch die Association und ihre anderen Tochterunternehmen der Aufsicht durch die FINMA. Nur Libra Networks ist berechtigt, Libra Single-Currency-Stablecoins zu erstellen (prägen) und zu vernichten (verbrennen). Single-Currency-Stablecoins werden nur erstellt, wenn Vertragshändler die Coins von Libra Networks mit Fiat-Assets erworben haben, die die neuen Coins vollständig stützen. Single-Currency-Stablecoins werden nur vernichtet, wenn die Vertragshändler Libra Coins im Austausch gegen die zugrunde liegenden Assets an Libra Networks verkaufen. Vertragshändler sind vertraglich berechtigt, Single-Currency-Stablecoins zum Gegenwert der zugrunde liegenden Fiatwährung an Libra Networks zu verkaufen. Die Aktivitäten von Libra Networks werden durch die Richtlinien zur Verwaltung der Reserve geregelt und eingeschränkt. Diese Richtlinien können durch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitglieder geändert werden und unterliegen der Zustimmung durch Regulierungsbehörden. Neben Single-Currency-Stablecoins unterstützt das Libra-Netzwerk die Multi-Currency-Coin ≋LBR. Diese Coin wird als Smart Contract eingeführt, der Single-Currency-Stablecoins in festen Nominalwerten zusammenfasst (z. B.≋USD 0,50, ≋EUR 0,18, ≋GBP 0,11 usw.).

Libra Networks hat darüber hinaus die Aufgabe, Dienste zur Libra Blockchain einfach, sicher und richtlinienkonform zu gestalten. Die Leitung dieser Aufgabe wird von einem Chief Compliance Officer und der Financial Intelligence Function (FIU-Function) übernommen. Diese Leitung beinhaltet unter anderem: Eine Due-Diligence-Prüfung und laufende Überwachung hinsichtlich der Integrität, der Rechtmäßigkeit und des gesetzestreuen Handelns aller Mitglieder, Vertragshändler und Virtual Asset Service Providers (VASPs), wie beispielsweise Custodial Wallets und Börsen mit Adressen in der Libra Blockchain; Steuerung der Implementierung von Kontrollmechanismen auf Protokollebene zur Beachtung von Sanktionen; Steuerung der Implementierung von Transaktions- und Adress-Saldo-Beschränkungen auf Protokollebene, wo das gemäß den Richtlinien erforderlich ist; Anleitung zur Einhaltung der Travel Rule für die Libra Blockchain; Überwachung der Libra Blockchain auf verdächtige Aktivitäten, einschließlich Versuchen, Netzwerkbeschränkungen zu umgehen; Zusammenarbeit mit Regulierungs- und Strafverfolgungsbehörden beim Melden und gegebenenfalls Bekämpfen verdächtiger Aktivitäten. Diese Maßnahmen und weitere Aktivitäten werden hier weiter erläutert.

In naher Zukunft müssen noch weitere Aufgaben für die Association übernommen werden: Anwerben weiterer Mitglieder; Gestaltung und Implementierung von Anreizprogrammen zur Förderung der Akzeptanz des Libra-Zahlungssystems, einschließlich der Verteilung dieser Anreize; und Aufbau des Social Impact-Förderprogramms der Association.

Ein weiteres längerfristiges Ziel der Association besteht in der Entwicklung und Förderung eines offenen Identitätsstandards. Wir glauben, dass ein dezentraler und portabler digitaler Identitätsnachweis eine Voraussetzung für finanzielle Gleichberechtigung und für den Wettbewerb ist. Darüber hinaus möchte die Association einen offenen, transparenten und wettbewerbsorientierten Markt für Netzwerkdienste und Governance mit möglichst niedrigen Zugangsbarrieren schaffen.

Weitere Informationen zur Association findest du hier.

So kannst du dich beteiligen

Die Association hat die Vision einer lebhaften Community, in der Entwickler Apps und Dienstleistungen anbieten, die die weltweite Akzeptanz des Libra-Netzwerks fördern. Erfolg bedeutet für die Association: Alle Menschen und Unternehmen erhalten weltweit einen fairen, kostengünstigen und unmittelbaren Zugriff auf ihr Geld. Das bedeutet beispielsweise, dass jemand, der im Ausland arbeitet, schnell und einfach Geld an seine Familie zuhause schicken kann und Studenten ebenso einfach ihre Miete zahlen können, wie sie eine Tasse Kaffee kaufen.

Wir sind jedoch erst am Anfang unserer Reise und möchten die Community um Hilfe bitten. Wenn du davon überzeugt bist, dass das Libra-Netzwerk für Milliarden Menschen auf der ganzen Welt Vorteile bietet, teile deine Meinung und mache mit. Wir brauchen dein Feedback, damit weltweite finanzielle Gleichberechtigung Wirklichkeit werden kann.

  • Wenn du Wissenschaftler oder Protokollentwickler bist, steht dir eine Vorschau des Libra Testnet unter der Apache 2.0 Open Source-Lizenz mit begleitender Dokumentation zur Verfügung. Das Testnet ist immer noch ein Prototyp, an dem wir arbeiten. Du kannst aber schon jetzt die Infos lesen, dich an der Entwicklung beteiligen und Feedback geben. Die Association möchte die Entwicklung in Zusammenarbeit mit der Community vollziehen und die Plattform für Entwickler öffnen. Das TSC der Association ernannte einen Lead Maintainer und eine erste Maintainer-Gruppe. Es wurden offene und transparente Prozesse geschaffen, nach denen technische Verbesserungsvorschläge, Libra Improvement Proposals (LIP), angenommen werden. Diese werden bald veröffentlicht.
  • Wenn sich deine Organisation für Social Impact-Fördermittel der Association interessiert, findest du hier weitere Informationen.

Abschnitt 8

Wie geht es weiter?

Seit unserer ersten Ankündigung des Libra-Projekts vor neun Monaten hat sich einiges getan. Die Libra Association führte sehr viele aufschlussreiche Diskussionen mit Vertretern von Regulierungsbehörden und Zentralbanken sowie mit Regierungsbeamten und einer Anzahl von Stakeholdern aus der ganzen Welt, um die besten Methode zu finden, die Blockchain-Technologie mit anerkannten regulatorischen Rahmenbedingungen zu verbinden. Die Association nahm an Gesprächen zum G7-Bericht über Stablecoins teil und führte einen konstruktiven Dialog mit internationalen Stakeholdern wie Financial Stability Board, World Bank Group, Internationalem Währungsfonds, Bank for International Settlements, Inter-American Development Bank, World Economic Forum sowie mit Zentralbanken und Finanzbehörden in verschiedenen Ländern der Welt. Spannenderweise haben sich Tausende von Entwicklern mit dem Open-Source-Code der Libra Blockchain befasst, und ihre Arbeit führte zu Millionen von Testtransaktionen im Libra Testnet. Die Association hat einen Vorstand gewählt, neue Mitglieder gewonnen und einen soliden, unabhängigen Betriebsrhythmus gefunden. Am Wichtigsten aber ist, dass die internationale Diskussion zum Thema Finanzinnovation und finanzieller Gleichberechtigung Schwung bekommen hat.

Der Betrieb eines Zahlungssystems, das verantwortungsbewusste Innovationen im Bereich Finanzdienstleistungen unterstützen kann, verlangt eine fortlaufende Zusammenarbeit mit den Stakeholdern auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. In diesem Sinne beantragt Libra Networks derzeit eine Zahlungssystem-Lizenz bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA). Wir glauben, dass niedrigere Zugangsbarrieren zum modernen Finanzsystem nicht gleichzeitig niedrigere Regulierungsstandards bedeuten muss.

Die Association wird sich künftig auch weiterhin an einem konstruktiven internationalen Dialog zu diesen Themen beteiligen: Harmonisierung von Regulierungsstandards, Konzepte für den Schutz der Verbraucher und Ausdehnung des Zahlungsverkehrs zur Inklusion marginalisierter Gemeinschaften. Die Association setzt auch weiterhin auf öffentliche und private Partnerschaften für die Verwirklichung von Finanzsysteminnovationen. Je wahrscheinlicher digitale Währungen von Zentralbanken (Central Bank Digital Currencies, CBDC) werden, umso mehr sind wir bestrebt, das Konzept des Libra-Zahlungssystems darauf auszulegen, dass es zur Integration von Innovationen des öffentlichen Sektors in der Lage ist.

Die Libra Blockchain:

In den kommenden Monaten wird die Association mit der Community zusammenarbeiten, um ihr Feedback zum Testnet der Libra Blockchain einzuholen, und die Blockchain in einen produktionsbereiten Zustand zu bringen. Insbesondere werden wir die Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit des Protokolls und der Implementierung sicherstellen.

  • Die Association wird APIs und Bibliotheken mit ausführlicher Dokumentation erstellen, über die Nutzer mit der Libra Blockchain interagieren können.
  • Die Association führt ein Verfahren für Verbesserungsvorschläge, Libra Improvement Proposals (LIP) ein, das für die Kontrolle und Beteiligung durch die Community offen ist. In dem Verfahren werden wesentliche Änderungen an Protokoll und Software der Libra Blockchain diskutiert und überprüft.
  • Die Association baut anhand der Open-Source-Methodik ein Rahmenwerk für die gemeinsame Entwicklung der Technologie auf, die der Libra Blockchain zugrunde liegt.
  • Die Association führt in Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Wallet-Diensten und Börsen ausgiebige Tests der Blockchain durch – von Tests des Protokolls bis hin zu einem vollständigen Test des Netzwerks –, um die Funktion des Systems vor dem Start sicherzustellen.
  • Die Association forciert die Entwicklung und Bereitstellung der Programmiersprache Move, damit Entwickler die inhärenten Sicherheitsfunktionen von Move für die Entwicklung innovativer Finanzanwendungen nutzen können. Das beinhaltet auch die Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden bei der Ausarbeitung geeigneter Sicherheitsfunktionen für die Veröffentlichung von Smart Contracts Dritter sowie die Untersuchung weiterer Einsatzmöglichkeiten bei der Programmierung im Finanzwesen, bei denen die Innovationen von Move vorteilhaft wären.

Die Libra-Reserve:

  • Die Association schließt Aufbewahrungsvereinbarungen mit einer geografisch verteilten und regulierten Gruppe von globalen Depotbanken für die Reserve ab.
  • Die Association entwickelt Betriebsabläufe für die Interaktionen der Reserve mit Vertragshändlern, um eine hohe Transparenz und Prüfbarkeit zu gewährleisten.
  • Die Association entwickelt gemeinsam mit Regulierungsbehörden den besten Rahmen, unter dem die Zusammensetzung der festen Nominalwerte der Single-Currency-Stablecoins bestimmt werden kann, aus denen die ≋LBR besteht.

Die Libra Association:

  • Wir werden das Association Council über offene, transparente und wettbewerbsorientierte Verfahren ausdehnen, um die geografische Verteilung und Diversität der Association-Mitglieder zu erhöhen.
  • Die Association entwickelt ihre Governance-Mechanismen laufend weiter und übernimmt die in der Satzung dargelegten Association-Richtlinien.
  • Der Geschäftsführer/Chief Executive Officer der Association wird angeworben und mit der Aufgabe betraut, einen Führungsstab aufzubauen.
  • Die Association gründet eine Financial Intelligence-Abteilung (Financial Intelligence Function, FIU-Funktion), die für die netzwerkweite Finanzintegrität zuständig ist. Die FIU-Function soll zu einem Kompetenzzentrum werden, das Best Practices und Verfahren für einen sicheren Betrieb des Blockchain-Zahlungssystems verbreitet.
  • Die Association wirbt Social-Impact-Partner an, die zur Mission passen, und baut mit ihnen ein Social Impact Advisory Board und ein Social Impact-Programm auf.

Abschnitt 9

Fazit

Die Mission der Libra Association ist es, ein einfaches globales Zahlungssystem und eine finanzielle Infrastruktur bereitzustellen, die Milliarden von Menschen neue Chancen bietet. 1,7 Milliarden Menschen auf der Welt erhalten keine oder nur wenige Bankdienstleistungen. Deshalb würde eine umfassende Innovation, die finanzielle Gleichberechtigung, Compliance und Wettbewerb fördert, genau den Menschen helfen, die sie am dringendsten brauchen.

Seit der Veröffentlichung des ersten Libra-Whitepapers am 18. Juni 2019, hat die Association Anregungen von Politikern, Regulierungsbehörden und anderen Stakeholdern integriert und das Konzept des Projekts entscheidend verbessert. Wir sind zuversichtlich, dass die Association mit diesen Änderungen dem letztendlichen Ziel einen entscheidenden Schritt nähergekommen ist – dem Ziel, die Infrastruktur des Zahlungsverkehrs zu modernisieren und ein kostengünstiges, interoperables und richtlinienkonformes Medium für den Transport von Werten zu schaffen.

Wir bedanken uns für das Engagement und die Begeisterung, mit der so viele Organisationen und Personen dazu beigetragen haben, diese Chance auf den Weg zu bringen. Wir werden unserer Mission treu bleiben und freuen uns darauf, sie umzusetzen.

  • 1 Best Buy. „Kauf eines AT&T Prepaid-Alcatel-CAMEOX-Geräts“. Bestbuy.com. Verfügbar unter: https://www.bestbuy.com/site/at-t-prepaid-alcatel-cameox-4g-lte-
    with-16gb-memory-cell-phone-arctic-white/6008102.p?skuId=6008102 (Zugriff am: 15. Mai 2019).

    2 A. Demirgüç-Kunt, L. Klapper, D. Singer, S. Ansar, and J. Hess. „The Global Findex Database 2017: Measuring Financial Inclusion and the Fintech Revolution“.
    World Bank Group, 2018. Zugriff am: 15. Mai 2019. Globalfindex.worldbank.org. [Online]. Verfügbar unter: https://globalfindex.worldbank.org/sites/globalfindex/
    files/2018-04/2017%20Findex%20full%20report_0.pdf

    3 OECD. „Mobile Phones: Pricing Structures and Trends“. Paris, Frankreich: OECD-Veröffentlichung, 2000, S. 67. [Online]. Verfügbar unter: https://books.google.com/books?id=p- cP84M_GBeoC&pg=PA6&lpg=PA6&dq=1999+price+SMS+europe&source=bl&ots=TIbwgZWCmj&sig=ACfU3U2Z_yRawxW78qVSVO_wHCtRupoqoA&hl=en&sa=X- &ved=2ahUKEwjOmeG9tMHiAhVVFzQIHU8eBEMQ6AEwD3oECAkQAQ#v=onepage&q=SMS&f=false

    Wir geben keine Zusicherung oder Garantie, dass unsere derzeitige Definition der künftigen Handlungen oder Unterlassungen der Libra Association unver-ändert so bestehen bleibt. Denn die Ereignisse und Umstände entwickeln sich, während die Mitglieder der Libra Association die Richtlinien der Association ausarbeiten. Wir behalten uns das Recht vor, die hier ausgeführten Informationen nach Bedarf zu ergänzen, um deren Richtigkeit sicherzustellen.

Libra-Glossar